Musik Braucht Freiräume – MBF – Berlin – *www.mbf.space*

Re;cutted:mixed:snippet

Soziologie der Corona-Krise

„Soziolog[:inn]en stellen erste Forschungsergebnisse zu den Folgen der Corona-Krise vor“

Siehe: https://www.berliner-woche.de/mitte/c-soziales/soziologen-stellen-erste-forschungsergebnisse-zu-den-folgen-der-corona-krise-vor_a286459

„Wissenschaftler[:innen] der Humboldt-Universität (HU) und Technischen Universität (TU) haben erste Ergebnisse zu den sozialen Folgen der Corona-Pandemie vorgestellt. Die Onlineumfrage „Städtisches Leben während Corona“ läuft noch bis Ende September.

Kneipe statt Kaufhaus – das ist ein Ergebnis der noch laufenden Sozialstudie zu den Corona-Folgen in Berlin. Die Menschen haben während des Corona-Lockdowns am meisten darunter gelitten, dass Clubs und Bars geschlossen waren – genauso wie Fitnessstudios und Sportvereine. Auf Shoppingerlebnisse konnten sie gut verzichten. Es sind die Orte in der Nachbarschaft, die wichtig sind. „Die Menschen sehnten sich während der Corona-Schließungen gerade nach den Orten, an denen sie normalerweise sowohl Bekannte wiedersehen als auch mit Fremden ins Gespräch kommen. Wir brauchen diese Orte für unser Leben, und die Stadt braucht sie für ihren Zusammenhalt“, sagt Soziologie-Professorin Talja Blokland. „Es wäre völlig falsch, Sportvereine, Fußballstadien oder Tanzclubs für Orte überflüssigen Vergnügens zu halten“, zieht die Chefin des Georg-Simmel-Zentrums für Metropolenforschung an der HU ein Zwischenfazit.

Bisher haben über 2000 Menschen an der Onlineumfrage „Städtisches Leben während Corona“ teilgenommen. Bis zum 30. September können Berliner und Menschen aus dem Umland ab 18 Jahren noch die Fragen beantworten. Die anonymisierte Umfrage dauert etwa 30 Minuten. Die Wissenschaftler haben die Fragebögen auch an per Zufall ausgewählte Haushalte verschickt. „Die Befragung soll dabei helfen zu verstehen, wie die Berliner in dieser Situation zurechtkommen“, heißt es auf der Projektseite. Es gehe darum, die „sozialen Folgen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen politischen Maßnahmen besser zu verstehen“. Die Corona-Studie ist Teil des Forschungsprojektes „Die Welt in meiner Straße“, das bis Dezember 2021 durchgeführt wird. Dabei geht es um Ressourcen und Netzwerke von Stadtbewohner. Die Wissenschaftler untersuchen Nachbarschaften und wie sich Beziehungen auch durch gesteigerte Mobilität verändern.

Interessant an den Zwischenergebnissen der Corona-Studie ist auch folgendes Detail. Wie das Team um Talja Blokland herausgefunden hat, war das Fußball-Aus besonders schlimm für die Fans des 1. FC Union. Die „Eisernen“ vermissen die Spiele in ihrer Alten Försterei besonders stark. „Unioner tun sich deutlich schwerer mit dem Verlust der Stadionbesuche als die Herthaner“, heißt es.

Mehr zur Studie erfährt man im Internet auf www2.hu-berlin.de/corona-stadt.“

Quelle: https://www.berliner-woche.de/mitte/c-soziales/soziologen-stellen-erste-forschungsergebnisse-zu-den-folgen-der-corona-krise-vor_a286459
Abgerufen am: 12.10.2020

„Soziologin kritisiert Politik und spricht Klartext: „Es kommt rüber, als wären…“

11.10.2020 – 13:14″

Siehe: https://www.hna.de/politik/corona-coronavirus-soziologin-attackiert-politik-bars-kneipen-clubs-berlin-hna-zr-90066585.html

„Wegen Corona: In Berlin gilt seit Samstag (10.10.2020) die Sperrstunde. Eine Soziologin kritisiert den politischen Schritt.

◦Seit Samstag (10.10.2020) gilt in Berlin eine Sperrstunde.
◦Der Grund ist die Corona-Krise.
◦Eine Soziologin kritisiert den Schritt.

Berlin verschärft im Kampf gegen das Coronavirus die Regeln. In Deutschlands Hauptstadt gelten seit Samstag (10.10.2020) wieder strengere Vorgaben. Die neue Corona-Verordnung in Berlin regelt unter anderem die erlaubte Anzahl von Menschen auf privaten Feiern. Aber auch Restaurants und Kneipen sind von den Regeln betroffen. Die Inhaber müssen ihre Läden nun zwischen 23 und 6 Uhr schließen.

Soziologin kritisiert Corona-Sperrstunde in Berlin

Die Soziologin Talja Blokland sieht die Corona-Sperrstunde in Berlin sehr kritisch. Nach ihrer Meinung unterschätzt die Politik die Bedeutung von Kneipen für das gesellschaftliche Zusammenleben. „Es kommt rüber, als wären Bars und Cafés zum Feiern da und nichts Notwendiges“, erklärt Blokland gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Soziologin ist Professorin am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität in Berlin.

Wenn man sich frage, wie man lerne, wie man von einer Jobmöglichkeit erfahre oder politisch etwas höre, was anders als zu Hause sei, dann passiere das dort, wo man neue Menschen treffe. „Für das soziale Gefüge der Stadt sind das wichtige Orte“, so die Berliner Soziologin. Daher leide das gesellschaftliche Zusammenleben unter den verschärften Corona-Regeln in Berlin.

Corona in Berlin: Sperrstunde könne sich auf das Sicherheitsgefühl auswirken

Laut Blokland kann sich die Corona-Sperrstunde auch auf das Sicherheitsgefühl der Menschen in Berlin auswirken. „Wir brauchen volle U-Bahnhöfe, um abends das Gefühl zu haben, sicher nach Hause zu kommen“, sagt die Berliner Professorin. Wenn Berlin um 23 Uhr zumache, sei das nicht mehr gegeben.

Die Sperrstunde in Berlin mache manchen Menschen laut Blokland nichts aus. Diese Gruppe sei in der Nacht draußen aber eh nicht unterwegs. Die beschlossene Corona-Verordnung treffe beispielsweise Menschen, die nachts ihr Geld verdienen müssten – wie Restaurantbetreiber, Taxifahrer und Tellerwäscher.

Sperrstunde in Berlin: Studie erforscht Einschränkungen wegen Corona

Blokland hinterfragt, ob Partys tatsächlich ein Grund für die steigenden Infektionszahlen seien. „Das braucht in der Öffentlichkeit klare Belege“. Diese fordert die Berliner Wissenschaftlerin nun von der Politik. Mit einer aktuell noch laufenden Umfrage will ihre Universität erforschen, was die Menschen während der Pandemie vermissen und wie sich Einschränkungen auf das Vertrauen in Behörden und Politik auswirken. (Jan Wendt mit dpa)“

Quelle: https://www.hna.de/politik/corona-coronavirus-soziologin-attackiert-politik-bars-kneipen-clubs-berlin-hna-zr-90066585.html
Abgerufen am: 12.10.2020

Siehe auch:

„Kultur in der Corona-Krise – Die Freude über alles, was irgendwie geht“
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-pandemie-kultur-kunst-100.html

„Kultur in der Corona-Krise: „Auch Kunst ist Systemrelevant“"
https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-kultur-theater-101.html

„Coronavirus: Kulturschaffende vor existenziellen Sorgen“
https://www.dw.com/de/coronavirus-kulturschaffende-vor-existenziellen-sorgen/a-52743417

„Corona-Soforthilfen für Kulturschaffende: Leider nicht für alle“
https://www.mdr.de/kultur/soforthilfen-kulturschaffende-100.html

Außerdem empfehlen wir mal die „heute-show“ vom 09.10.2020, mit:
„Oliver Welke berichtet über Trumps Corona-Infektion, Ungerechtigkeiten bei Corona-Hilfen, Menschen im Abseits, den Maut-Untersuchungsausschuss und Kulturkampf auf der Straße.“
https://www.zdf.de/comedy/heute-show/heute-show-vom-9-oktober-2020-100.html

26.9. Kundgebung gegen Verdrängung in der Rigaer

„Kundgebung gegen Verdrängung

Samstag, 26. September 2020, 15:00 – Samstag, 26. September 2020, 23:00

Musik verbindet!

Laut und dreckig gegen Verdrängung mit:

„Cut my Skin“, „Ponys auf Pump“, „Fox Devils Wild“, „Ego“, „Antes de las Guerras“, „Negativ Dekadent“"

Um 15 Uhr, am ehem. Bambiland, vor der Rigaerstr. 22 in Berlin Friedrichshain

Quelle: https://stressfaktor.squat.net/node/207757

Cancelled

The B-Rave in CZ has been cancelled.
Due to new governmental rules and public laws it is not possible.
Cya next year.
Stay tuned.
Check your network.

Die Open-Air-Veranstaltung in CZ wurde abgesagt.
Aufgrund von neuen behördlichen Regeln und staatlichen Gesetzen ist es nicht möglich die Veranstaltung stattfinden zu lassen.
Bis nächstes Jahr verschoben oder bis auf Weiteres.
Bleibt am Ball.
Passt auf Euch auf.

Wer dafür nach anderen netten Terminen auswärts sucht, kann z.B. da ab und an ma reinkieken: https://stressfaktor.squat.net/reisestressi

Be brave

b-rave cz area 25 to 28 sept 2020

Stories from the past

„[…] Als Tekno-Nomaden durch Europa zogen

In den 1990ern und Anfang der 00er Jahre reisten Rave-Tribes durch ganz Europa und schmissen illegale, kostenlose Partys, wo immer sie Halt machten.

Von Pierre Longeray
Fotos von Tom Anirae

In den 1990ern zogen ein paar Hippie-Punks in Kolonnen aus alten, angemalten Bussen und Lastwagen quer über den europäischen Kontinent. Mit im Gepäck: Soundsysteme und Lichtanlagen. An abgelegenen Orten veranstalteten diese selbsternannten Tribes dann Raves. Dieser freiheitsliebende DIY-Hedonismus hatte auch eine politische Komponente als Rebellion gegen gesellschaftliche Zwänge. Zusammengeführt hatte diese Menschen ihre gemeinsame Liebe für Tekno, ein Genremix aus Jungle, Rave, Techno und Hardcore, der in der Free-Party-Szene entstanden war – bei Raves auf Kuhweiden und in verlassenen Fabrikhallen, fernab von den Clubs der Großstädte, ohne Eintrittsgelder und ohne Regeln.

Als die Bewegung entstand, war Tom Anirae ein Teenager, der in seiner Heimatstadt Nizza in Südfrankreich auf Partys feierte. Durch Freunde und Bekannte lernte der Fotograf die Tekno-Tribes kennen und reiste begeistert mit ihnen von Andalusien bis nach Tschechien, Italien und zurück nach Südfrankreich. Dabei dokumentierte er die Hochzeit der Bewegung mit seiner Kamera. Jahre später hat er sein Archiv entstaubt und dabei ein paar Schätze gefunden. Die Tribes, mit denen er unterwegs war –Spiral Tribe, Kamikaze, Hekate, Cirkus Alien, Desert Storm, Lego –, sind heute noch legendär in der Szene. Wir haben mit Tom am Telefon über damals gesprochen.

Wie war das für dich, als du Techno entdeckt hast?
Tom Anirae: Ich erinnere mich noch, wie neu mir das vorkam. Es war, als gebe es keine musikalischen Grenzen mehr. Dann habe ich die illegalen Partys entdeckt – das hat dann wirklich alles geändert. So etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen.

Wie bist du dazu gekommen, da mitzufahren?
Anfangs wollte ich sie nur kurz begleiten, aber gegen 1999 war ich dann immer mehr involviert. Es wurde zu einer Art Lifestyle, aber gleichzeitig identifizierte ich mich nicht als vollständiges Mitglied der Bewegung. Ich war regelmäßiger Gast und befreundet mit Leuten, die 100 Prozent dabei waren.

Bist du mit verschiedenen Tribes gereist?
Ja, jeder Tribe hatte sein eigenes Soundsystem, seinen eigenen Namen und eigenes Logo – wie in der Punkszene. Einige waren größer, andere kleiner. Ich bin vor allem mit Kamikaze gereist, das waren Leute aus Frankreich, England und ein paar aus Deutschland.

Wie organisiert man einen Free-Rave?
Zuerst musst du den richtigen Spot finden. Im Winter war das in der Regel eine leerstehende Lagerhalle, im Sommer irgendwo draußen. Wir haben in Industriegebieten nach passenden Orten geschaut, dann haben wir sichergestellt, dass keine Bullen in der Nähe sind und die Location sicher ist. Wir mussten alles sehr vorsichtig organisieren, damit die Polizei nichts mitbekommt. Was die Logistik angeht, hat es ein paar Stunden gedauert, die Trucks an den Ort zu fahren und das Soundsystem und die Lichter aufzubauen. Und davor mussten wir noch Flyer mit einer Telefonnummer verteilen und die ganzen Partyinfos auf einem Anrufbeantworter hinterlegen.

Wie reagierte die Polizei?
Die war vor allem verwundert, aber ein paar wurden auch richtig brutal. Es war ein Katz- und Mausspiel, manchmal kam es zu Konfrontationen. Einmal sah ich, wie dieser Typ, Keef vom Desert Storm Tribe, einen alten Militärtruck in eine Polizeiblockade rammte. Das erlebt man auch nicht alle Tage.

Gab es Länder, in denen die Raves leichter zu organisieren waren als in anderen?
Nicht wirklich, in Großbritannien war es allerdings schlicht unmöglich. Die ganze Bewegung mit den Tekno-Travellern hatte dort Anfang der 1990er mit dem legendären Spiral Tribe begonnen. Die haben zusammen mit einer anderen Gruppe, Bedlam, eine Party beim Castlemorton-Festival organisiert. Die war so groß, dass Margaret Thatcher die Cops hinschickte, um alle aufzumischen. Dann verabschiedete die Regierung den Criminal Justice and Public Order Act, der alle Zusammentreffen mit repetitiver Musik verbot. Also fingen die Raver an, über das europäische Festland zu reisen.

Wie haben sich die Tekno-Traveller finanziert?
Gäste haben bei den Partys so viel gespendet, wie sie konnten – fünf oder zehn Francs, also umgerechnet etwa 0,75 bis 1,50 Euro – oder auch gar nichts, wenn sie nichts hatten. Dazu gab es immer eine Bar, durch die etwas Geld reinkam. Einige Traveller hatten Nebenjobs, halfen zum Beispiel ein paar Wochen im Jahr bei der Weinernte. Ehrlich gesagt haben sie nicht besonders teuer gelebt. Mit etwas Geschick kannst du von fast gar nichts leben. Wenn es Probleme mit den Trucks oder der Anlage gab, haben sie die selbst repariert.

Klingt wie eine Art Techno-Zirkus.
Ja, die ganze Zeit unterwegs zu sein, gab ihnen die Freiheit, die sie wollten. Sie waren inspiriert von New-Age-Travellern, einer nomadischen Bewegung, die in den 1970ern in Großbritannien entstanden war. Sie waren allerdings mehr Punks als Hippies.

Waren auch Kinder dabei?
Ja, ein paar. Die meisten von ihnen liebten dieses Leben, auch wenn sie dann als Teenager manchmal den Tribe verließen. Ich habe unfassbar schlaue Kinder kennengelernt, Liam zum Beispiel. Seine Mutter ist Engländerin. Er war super eigenständig und intelligent. Mit zwölf begann er, seine eigenen Sounds zu mixen.

Warum hast du dieses Leben aufgegeben?
Von 1993 bis 2000 hatten wir eine Art Goldenes Zeitalter. Dann fühlte es sich an, als ob es einfach zu viele von uns gibt. Wenn eine Bewegung zu groß wird, verliert sie ihre Energie. Außerdem sind bei einigen Partys schreckliche Sachen passiert: Vergewaltigungen, Messerstechereien. Auch unser Verhältnis zu Drogen veränderte sich. Früher hatten wir Drogen genommen, um unseren eigenen Geist zu erkunden, aber dann wurden Leute abhängig. Und die Polizei kam uns auch bald auf die Schliche. Kurz gesagt: Stell dir vor, du hast einen wunderschönen Strand entdeckt, der sich wie dein kleines Paradies anfühlt. Wenn 5.000 Leute dazukommen, wäre er immer noch schön, aber kein Paradies mehr.“

Quelle: https://www.vice.com/de/article/y3mq9x/fotos-als-tekno-nomaden-durch-europa-zogen-illegale-raves?utm_source=vicefbde&utm_medium=link&fbclid=IwAR1QwxTCvlyMrWDXj9zPnUaaGkAfEIs7GkVzdqXemxs8kkZLmnf3RykV8s8

Artikel in der Vice online, vom „07 September 2020, 3:18pm“
https://www.vice.com
(abgerufen am 10.09.2020)

No p… no problem

„Keine Polizei, kein Problem“, gilt oder sollte nicht nur für gute Parties gelten… Aber bis dahin ist es noch ein langer, weiter und harter Weg… . Warum? Siehe unten.

Hier ein Artikel aus der Zeitschrift Analyse & Kritik:

vom „17. August 2020 |ak 662 | International“

Quelle, URL: https://www.akweb.de/bewegung/der-kurze-sommer-der-autonomen-polizeifreien-zone-in-seattle/

„Ein kurzer Sommer polizeifreier Autonomie

Die Besetzung einiger Straßenzüge in Seattle war ein großartiger Versuch der Selbstermächtigung – obwohl er scheiterte

Von Stephan Kimmerle

Auf dem Höhepunkt des Black-Lives-Matter-Aufstandes in den USA gelang es im Juni [2020] Demonstrant*innen in Seattle, dem Tränengas und den Prügelattacken der staatlichen Ordnungshüter so lange Stand zu halten, bis der Druck der öffentlichen Meinung auf Seattles Bürgermeisterin so groß geworden war, dass diese in einem Versuch, die Lage zu beruhigen, die vorübergehende Räumung einer Polizeistation im Zentrum der Proteste anordnen musste. Die anschließende Besetzung einer Reihe von Straßen rund um das Polizeirevier und im Cal Anderson Park in Seattles Stadtteil Capitol Hill erfuhr weit über die Stadt hinaus mediales Interesse und war Gegenstand einer USA-weiten Diskussion.

Die Besetzung, zunächst unter dem Namen Capitol Hill Autonomous Zone (CHAZ), später Capitol Hill Organized Protest (CHOP), schuf ein lebhaftes Zentrum des Widerstands. Täglich kamen Tausende, um über Politik zu diskutieren, Reden zu hören, gemeinsam Aktivitäten zu planen und eine Gemeinschaft mit Gartenarbeit, Zelten, kostenlosem Essen und kostenloser medizinischer Versorgung aufzubauen.

Doch rund drei Wochen später war CHOP zu einer politischen Hypothek für die Bewegung geworden, die drohte, die Sympathie in der Öffentlichkeit zu untergraben. Eine Reihe von Schießereien, bei denen drei Menschen ums Leben kamen und rechte Angriffe führten zu einer angespannten Situation und letztlich einem Niedergang von CHOP, noch bevor die Polizei das Gebiet räumte und ihre Polizeiwache wieder in Besitz nahm.

Was als »autonome polizeifreie Zone« begonnen hatte, war schnell mit einer Zunahme der verschiedenen Spielarten polizeilichen oder para-polizeilichen Handelns konfrontiert. Als Reaktion auf die Drohungen und Angriffe extrem rechter Gruppen und Konflikten innerhalb von CHOP, erklärten sich Aktivist*innen, teils bewaffnet, selbst zu Ordnungshütern innerhalb von CHOP und begannen ihre Patrouillen. Dies geschah jedoch ohne demokratische Zustimmung oder Rechenschaftspflicht gegenüber der CHOP-Gemeinschaft. Zugleich heuerten in dem Gebiet kleine und große Unternehmen verstärkt private Sicherheitskräfte an, die gegenüber der Öffentlichkeit noch weniger rechenschaftspflichtig waren als die von der BLM-Bewegung zu Recht scharf kritisierte Polizei.

Das Problem bestand nicht, wie später von Medien und Politiker*innen behauptet, darin, dass die Polizei rausgeschmissen worden war, sondern dass sie nicht durch eine von der Bewegung legitimierte Kraft ersetzt wurde, die Selbstschutz hätte leisten und die unter den Bedingungen der gegebenen rassistischen, sexistischen, entfremdeten und zutiefst ungleichen Klassengesellschaft, in der wir leben, Prinzipien der Solidarität, des Antirassismus und des Antisexismus innerhalb des CHOP hätte durchsetzen können.

Der Beginn der Zone

Als die Polizei die Straße verbarrikadierte und am 1. Juni eine Demonstration nach dem Mord an George Floyd durch den Stadtteil Capitol Hill blockierte, leitete sie damit eine einwöchige Pattsituation mit den Demonstrant*innen ein. Trotz Tränengaseinsätzen, Gummigeschossen und Blendgranaten der Polizei blieben die Demonstrant*innen Nacht für Nacht auf der Straße – selbst als die Polizei Scharfschützen auf den Dächern postierte.

Die Polizei und das politische Establishment (in Seattle sind dies durchweg Politiker*innen der Demokratischen Partei) führten in den Medien einen erbitterten Krieg, um die Demonstrant*innen zu delegitimieren. Dennoch nahm die Unterstützung für die Proteste weiter zu.

Angesichts der weit verbreiteten öffentlichen Opposition forderte die Bürgermeisterin Jenny Durkan schließlich die Polizei auf, sich zurückzuziehen und die Polizeistation im Zentrum der Proteste vorübergehend aufzugeben. Die Polizei, verärgert über den Rückzug, verbreitete in den Medien Gerüchte, dass die Demonstrant*innen die verlassene Polizeistation niederbrennen würden. Tatsächlich aber verwandelten die Aktivist*innen den Block in einen lebendigen Tummelplatz der antirassistischen Organisierung und Debatte.

Die sehr heterogene Gruppe von Menschen, die dort zusammenkam, tat ihr Bestes, um all den Komplikationen zu begegnen, die eine »polizeifreie Zone« mit sich bringt, wenn sie inmitten einer der ungleichsten Städte der Welt nur von Freiwilligen betrieben wird.

Die Drohungen gegen CHOP

Die Demonstrant*innen waren auch in der polizeifreien Zone ständig von Gewalt durch Seattles Polizei und andere Sicherheitskräfte des Staates bedroht. Um erneute Einsätze zu legitimieren, behauptete die von der Bürgermeisterin eingesetzte Polizeichefin kurz nach Beginn von CHOP, dass Demonstrant*innen Straßensperren mit Ausweiskontrollen eingerichtet hätten und lokale Kleinunternehmen erpressen würden. Diese erfundenen Behauptungen wurden von den national[istisch]en Medienkonzernen über ihre Kanäle weit verbreitet.

Alle Merkmale dieser Gesellschaft – [wie z.B.] Armut, Rassismus, sexuelle Übergriffe, Homofeindlichkeit – sind Themen, mit denen sich soziale Bewegungen und linke Organisationen in ihren eigenen Reihen ständig auseinandersetzen müssen. In CHOP stiegen die Unstimmigkeiten zwischen Aktivist*innen darüber, wie der entstandene gemeinsame Raum aussehen und wie mit den wachsenden Schwierigkeiten umgegangen werden sollte.

Orte der Solidarität und ihre Verteidigung

Die Polizei wird von der herrschenden Klasse benutzt, um mit aller Gewalt den Deckel auf dem Topf brodelnder Konflikte zu halten, die sich durch diese Gesellschaft ziehen. Unsere kollektive Befreiung wird es erfordern, diesen Deckel zu beseitigen, aber die Bewegung muss sich auch der Aufgabe stellen, mit den brodelnden Konflikten selbst fertig zu werden, indem sie sich mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, die systematisch Spannungen, Konflikte, antisoziales Verhalten und Gewalt erzeugen.

CHOP entstand aus dem Black-Lives-Matter-Aufstand und war ein wunderschöner Versuch, die Bewegung aufzubauen. Für zukünftige Bewegungen, die auf den Erfahrungen von CHOP aufbauen werden, bleiben zwei Hauptfragen:

Erstens: Kann es eine demokratisch gewählte und rechenschaftspflichtige Leitung und einen solchen Selbstschutz geben? In Seattle gibt es Anführer*innen der BLM-Bewegung, die große Autorität genießen. Doch CHOP blieb weitgehend selbst gewählt »ohne Anführer*innen«. Eine gewählte Leitung von CHOP, die sich zum Beispiel auf tägliche Vollversammlungen gestützt und jederzeit hätte abberufen werden können, hätte der Bewegung die Chance geben können, handlungsfähiger zu werden.

Dies wäre auch eine Basis gewesen, einen eigenen Ordnerdienst aufzubauen, um sich gegen gewalttätige Angriffe von rechts und von der Polizei zu verteidigen und um unsoziales Verhalten, das die Sicherheit der Teilnehmer*innen gefährdete, nicht zuzulassen. Die Erfahrung von CHOP zeigt, dass es nicht ausreicht, die bestehende Polizei rauszuschmeißen oder abzuschaffen. Die Aufgabe, die sich der Bewegung stellte, war es, sich zu organisieren und stark genug zu werden, um die Solidaritätsprinzipien vor Ort zu verteidigen.

Zweitens: Was heißt das alles für die nun in den USA breit diskutierte Frage einer De-Finanzierung oder einer Abschaffung der Polizei, für »defunding« und »abolishing«? Eine weit verbreitete Erkenntnis innerhalb des anhaltenden Black-Lives-Matter-Aufstandes in den USA ist, dass die Polizei nicht reformierbar ist. Zu viele Versprechen, zu viele Reformversuche über Jahrzehnte hinterließen kaum Spuren in den Polizeibehörden.

Unter dem Druck der Bewegung versprach daher eine Mehrheit des Stadtrates in Minneapolis, der Stadt in der George Floyd ermordet wurde, die Polizei abzuschaffen – und sucht seither nach Alternativen. Das könnte dann auf den Versuch hinauslaufen, die Polizei mit neuem Logo und neuem Namen neu aufzubauen. Angesichts von Rassismus und Korruption kann dies kurzfristig sogar helfen. Grundsätzlich ändert sich aber auch damit noch nicht viel.

In Seattle beteuerten wiederum sieben der neun Stadträt*innen, das Polizeibudget halbieren zu wollen und die jährlich dort eingesparten 200 Million Dollar zugunsten von Schwarzen und People of Color sowie sozialer Leistungen zu reinvestieren. Die Erfahrung von CHOP zeigt allerdings, dass die sozialen Ursachen in der extrem polarisierten US-Gesellschaft aufgegriffen werden müssen, um grundsätzlich etwas zu verändern – und da ist dieser Betrag marginal. Das verweist dann eher auf die alte marxistische Weisheit, dass eine Klassengesellschaft mit ihrem Elend eine Polizei auf dem Boden ihrer Klassenverhältnisse reproduziert – so oder so. Das heißt nicht, dass demokratische Reformen sinnlos sind. Es bestätigt allerdings, dass letztlich Kapitalismus und ein gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung feindlicher Polizeiapparat nur gemeinsam abgeschafft werden können.“

Autor: Stephan Kimmerle
Quelle: https://www.akweb.de/bewegung/der-kurze-sommer-der-autonomen-polizeifreien-zone-in-seattle/
(abgerufen am 31.08.2020)

„analyse & kritik – Zeitung für linke Debatte & Praxis“: https://www.akweb.de/

Suppe & Mucke 2020

„Suppe&Mucke und das Festival für Selbstgebaute Musik 2020

Am Samstag, den 12. September 2020, gibt es ab 13 Uhr wieder die Möglichkeit, sich in [Berlin] Friedrichshain musikalisch und kulinarisch [open air] beköstigen zu lassen.
Diesmal […] gemeinsam mit dem Festival für selbstgebaute Musik und dem KulturL auf dem RAW-Gelände (Revaler Str. 99) [in Berlin Friedrichshain (S-Bahn- und Tramstation Warschauer Straße)].
Es gibt Konzerte, Workshops, interaktive Installationen, Ausstellung und Mitmachangebote für jedes Alter. […]
Vor Ort gelten alle gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. Bitte bringt euren Mund-Nasen-Schutz mit und nehmt Rücksicht aufeinander. […]
Eure Suppencrew“

Quelle: www.suppeundmucke.de

Links: https://www.selbstgebautemusik.de/festival2020
https://www.raw-kultur-l.de/post/12-und-13-9-tag-des-offenen-denkmals-aufm-raw

sumfundfefüsegebamukutul

Aus aktuellem Anlaß…

anticoronamaskensternchen
… und aus Prinzip.
Keine Party mit Nazis.
Take care.

On fire 2020

Wir wünschen allen Punks, Hardcore-Punks, Metal-Punks und Crusten dieses Wochenende ganz besonders viel Spaß…! ;)

on fire punkfest 2020 banner edited jpg 03

Wir machen hier keine Werbung für „FB“ oder ähnlichen Schiss. Darum hier keine Links. Aber die Kenner:innen unter Euch wissen ja eh schon wo es ist… Da wo immer latürnich.

on fire punkfest 2020 pic edited 02

Passt auf Euch auf. Lasst es Euch gutgehen. Seid achtsam und respektvoll. Gebt Corona keine Chance und Nazis sowieso nicht.

on fire diy punkfest 2020 pic edited 01

Rocknroll

Terra Incognita evicted

„News from the south, Thessaloniki. Terra Incognita , some of you remember it , and one more squat have been evicted last week.
There is a call for solidarity actions to the squat next month please read and spread the word.

Political statement of the squat Terra Incognita – International call for solidarity:

In the morning of 17th of August Terra Incognita gets TEMPORARILY evicted by the repressive forces of neoliberalism. Police forces intrude in the building and conduct researches for hours and confiscations. Days after the eviction the squat still remains open with cops celebrating TEMPORARILY their capability of violating every corner of our liberalized grounds.
For over 16 years Terra Incognita consituted a meeting place for hundrends of people of the struggling social basis. With constant events, direct acts, demonstrations and conflicts Terra Incognita was present in moments of the violent struggle against the violence of the state, the benefits of capitalistic monopolies, against the violating authority of fascism and patriarchy, against any type of discrimination and speciesism. In the grounds of the self-organised structures of self-education, solidarity and mutual aid of the squat all the “known-unknown” strugglers of freedom met and will continue to meet. Liberating and equallity-based relationships were constructed, subversive plans and operations, dreams that day by day found and still find a space of moral and physical substance. For 16 years the squat proves itself to be the flesh of the flesh of the multiform struggle against any type of authority and opression, without prioritizing or distinguishing the means that contribute to the spreading of libertarian ideas and the organization of social and class-conscious counter attack. Because for us this is liberation.
Terra Incognita squat is definitely not and we do not wish it to be considered as the center of the revolutionary movement. After all this could only be an egocentric viewpoint against the spirit of comradeship as it would cover every other repressive action of the state. Terra is just another tool of the struggle that through its strategies contributes to the spreading of anarchist ideas in the society while it underlies the severity of the unmediated struggle against the regime. This is why it socially, politically and historically belongs to the anti-authoritarian movement, which has been fighting with all means for decades against the atrocity of all forms of exploitation. Nevertheless, if the government and any aspiring supporter of state-announched legality believe that this is the end of us as a squat, as anarchists, or as a struggling part of society, they are highly deceived.
From our point of view this decision belongs to the general repressive strategy of the state dictated from the higher parts of the terrorist state. The state seeks (for months now) a straightforward confrontation with the parts of society that choose to keep on fighting. It gives away ultimatums, mistreats and tortures people in the streets and in prisons, it kills and drowns immigrants and refugees in land and sea borders, it points at each and every single one of us with its finger on the trigger. This is our turn to proceed to full front offense. To war we respond with war. To the violence of the authoritarianism of the capital and the state we respond with violence. To the cruelty of individualization we respond collectively by sharpening our millitant confrontations.
We call every struggling revolutionary force to unite with us through their acts and words, by turning this year’s October into a month dedicated to solidarity and standing up for Terra Incognita, but also for every other occcupied ground threatened by reppresion. Let’s all shout together that squats are not dead walls. They are the alive moments of yesterday, today and forever.

No retreat, No submission- Attack,attack,attack…!
squat (for now and forever)!
Terra Incognita“ collective community

„You can find the text in other languages in this link
https://terraincognita.squat.gr/2020/08/21/political-statement-of-the-squat-terra-incognita-international-call-for-solidarity-en-fr-it-es/“

Source: Newsmail / Telegram / https://terraincognita.squat.gr

+++

„Politische Stellungnahme des besetzten Hauses Terra Incognita – Aufruf zu internationaler Solidarität

Am Morgen des Montags 17 August wurde das besetzte Haus Terra Incognita VORLÄUFIG(!) geräumt von den Unterdrückungskräften des Neoliberalismus. Besatzungskräfte der Demokratie dringen ins Haus hinein und für mehrere Stunden dursuchen sie es und beschlagnahmen Sachen.

Für mehrere Tage ist das Haus offen und die Bullen jubeln VORLÄUFIG! dass sie die Möglichkeit haben in jeder Ecke unseres befreiten Platzes einzubrechen.Für mehr als 16 Jahre ist Terra Incognita ein Treffpunkt für hunderte Menschen der militanten Sozialen Basis gewesen. Mit ständigen Events, Aktionen, Demonstrationen, und Konfrontationen war Sie präsent in Momenten des Kampfes gegen die staatliche Gewalt, gegen die Interessen von kapitalistischen Monopolen, gegen die verletzende Autorität des Faschismus und des Patriarchats, gegen alle Formen von Diskriminierung und Speziesismus. Aug den Geländen und durch die selbstorganisierten Strukturen der Selbstbildung, Solidarität und gegenseitiger Hilfe treffen sich immer noch die sogenannten “Bekannte-Unbekannte“, i.e. Kämpfer/innen der Freiheit. Es wurden hier revolutionäre und autoritätsfreie Beziehungen gegründet, subversive Operationen geplant, Träume geträumt, die Tag für Tag ihren ethischen und moralischen Wert bestätigen. Das besetzte Haus ist seit über 16 Jahre Teil des vielgestaltigen Kampfes gegen jede Form von Autorität und Repression gewesen, ohne bestimmten Kampfmitteln nach „politischer Wichtigkeit“ Vorrang vor anderen Mitteln einzuräumen, in den allgemeinen Bemühungen um die Verbreitung von libertären Projekten und die Organisation des sozialen und Klassengegenangriffes. Denn das bedeutet für uns Befreiung.

Terra Incognita ist bestimmt kein „Mittelpunkt“ der Bewegung und wir möchten auf keinen Fall daß das Haus als Mittelpunkt betrachtet wird Sowas könnte nur egozentrisch sein und würde uns gegen unsere Genossen stellen, die auch Repression erlebt haben. Terra ist noch ein Mittel des Kampfes, der durch ihre Strategie den eigenen Beitrag leistet für die Verbreiterung der anarchistischen Projekten in der Gesellschaft und für die Dursetzung des unmittelbaren Kampfes gegen das Regime. Deswegen gehört Terra sozial, politisch und historisch in den Händen der ganzen antiautoritären Bewegung, die seit Jahrzehnten mit allen Mitteln gegen die Barbarei der Ausbeutung kämpft. Wenn aber die Regierung und jeder Streber der Legalitat des Regimes glaubt das diese Räumung unser Ende ist, als Besetzung, als Anarchisten/innen und als kämpferischer Teil der militanten Gesellschaft, da sind sie getäuscht.

Für uns ist diese Entscheidung Teil einer zentraler Repressionspolitik, die von höheren Rängen des staatlichen Terrorismus diktiert wurde. Der Staat versucht (in den letzten Monaten) eine direkte Konfrontation mit den kämpferischen Kräften der Gesellschaft. Der Staat schickt ein Ultimatum, missbraucht und foltert in den Straßen und in Gefängnissen, ermordet und lässt Migrantinnen und Migranten ertrinken an den Grenzen an Land und im Meer, zielt auf jeden von uns mit dem Finger am Abzug.

Es ist unser Moment sich zu wehren. Auf Krieg reagieren wir mit Krieg. Zur Gewalt der staatlichen und kapitalistischen Autorität antworten wir mit Gewalt. Auf die Barbarei der individualisierung reagieren wir kollektiv durch die Schärfung der militanten Konfrontation

Wir rufen die militanten revolutionäre Kräfte an jeder Ecke der Welt dass wir unsere Worte und Aktionen vereinen, und dass wir diesen Oktober in einen Monat umwandeln zur Solidarität und Verteidigung des besetzten Hauses Terra Incognita und jedes anderen besetzten Hauses, das von der Repression gedroht ist. Die besetzten Häuser sind keine toten Wände. Es sind die lebenden Momente des Kampfes von gestern, heute, immer.

Kein Rückzug, keine Unterwerfung- Angriff, Angriff, Angriff…

Besetztes Haus (für Heute und für Immer) Terra Incognita“

Quelle: https://terraincognita.squat.gr/2020/08/21/political-statement-of-the-squat-terra-incognita-international-call-for-solidarity-en-fr-it-es/

Zur Besetzung einer Musikschule in Berlin Köpenick

In Berlin Köpenick hatten Jugendliche eine ehemalige Musikschule besetzt und wurden – getreu der sog. berliner Linie – binnen kurzer Zeit wieder geräumt…

Wir sind solidarisch mit den Besetzer:innen und stehen ebenso hinter dem Anliegen der Jugendlichen, insbesondere dann wenn es um Musik und kulturelle Freiräume geht, aber auch sonst und sowieso.

Wieso, weshalb, warum? Was die wollen?

Siehe, vgl.: Beitrag in RBB 24 vom 22.08.2020; https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/08/berlin-koepenick-hausbesetzung-ehemalige-musikschule-jugendclub.html

„Berlin
Jugendliche kritisieren Bezirk nach Besetzung einer ungenutzten Musikschule
22.08.20 | 16:55 Uhr

Eine Gruppe jugendlicher Aktivist[:inn]en hat am Samstag ein ungenutztes Gebäude in Köpenick besetzt – ein paar Stunden lang. Am Abend räumte die Polizei das Gebäude. Für die Besetzer[:innen] ein klares Zeichen, dass ihre Forderung nach selbstverwalteten Jugendräumen ignoriert wird.

Eine Protestgruppe hat am Samstag die ehemalige Musikschule in der Friedrichshagener Straße in Berlin-Köpenick zeitweise besetzt. „Wir würden gerne neue Freiräume schaffen“, sagte eine Sprecherin der Gruppe „Jugendbesetzt“ auf Anfrage von rbb|24. „Wir sind der Meinung, dass es in Köpenick zu wenig Platz für Jugendliche gibt und dieses Gebäude wird ja ohnehin nicht genutzt.“

In sozialen Netzwerken hatte „Jugendbesetzt“ zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht. Demnach wird vom Senat gefordert, Räume zur Verfügung zu stellen, die selbstverwaltet genutzt werden können und „die Möglichkeit bieten, abseits von struktureller Gewalt und kapitalistischer Leistungsgesellschaft einen Safe-Space zu schaffen“.

Berliner Polizei beendet Hausbesetzung auf Dragoner-Areal (Quelle: rbb|24)
rbb|24

Berlins rot-rot-grüner Landesregierung werfen die Aktivist[:inn]en vor, gewaltsam gegen linke Projekte in der Stadt vorzugehen. „Queerfeministische Rückzugsräume fehlen in dieser Stadt oder sind stark räumungsbedroht“, heißt es in der Mitteilung. „Wir wehren uns gegen steigende Mieten, systematische Verdrängung unserer Treffpunkte und stehen in Solidarität zu allen bedrohten oder schon geräumten Projekten.“

Die Polizei war ab dem Nachmittag mit Einsatzkräften vor Ort und beriet mit dem Bezirk in seiner Funktion als Eigentümer des Gebäudes über das weitere Vorgehen. Gegen 18.30 Uhr wurde das Gelände dann geräumt. Ob dies in Abstimmung mit dem Bezirk geschah, konnte der Polizeisprecher am Sonntagvormittag nicht sagen.

Besetzer[:innen]: Kein Raum für Forderungen nach alternativen Jugendzentren

Die jugendlichen Besetzer[:innen] kritisierten am Sonntagmorgen in einer Pressemitteilung den Bezirk Treptow-Köpenick, der gezeigt habe, „was er von selbstverwalteten Jugendräumen hält, die sich klar gegen jegliche Formen von Diskriminierung positionieren“. Ihr Ziel sei eine Zwischennutzung der Räume gewesen. Die Zeit des Leerstands hätte mit vielfältiger Kiezkultur überbrückt werden können.

„Wir sind wütend, dass unseren Forderungen nach alternativen Jugendzentren kein Raum gegeben wird. Wir werden weiter für die Existenz unserer Freiräume kämpfen und nicht zusehen, wie die [sog.] rot-rot-grüne [Landes-]Regierung [von SPD-PDL-Grünen] uns nach und nach die Rückzugsräume nimmt“, so die Besetzer[:innen] in ihrer Mitteilung.

Sendung: Fritz, 22.08.2020, 16:30 Uhr“

Quelle: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/08/berlin-koepenick-hausbesetzung-ehemalige-musikschule-jugendclub.html

+++

Stets aktuell informiert über Besetzungen in Berlin: https://mastodon.social/@besetzen

Vgl.: https://besetzen.noblogs.org/

Siehe auch: https://twitter.com/besetzenberlin

„Es ist besser unsere Jugend besetzt Häuser…“
Miete verweigern, Kündigung ins Klo, Häuser besetzen – sowieso!
Leerstand instandbesetzen.
Alles für alle!

+++

Mehr zur Lage in Berlin, siehe z.B. aktuell: http://nk44.blogsport.de/2020/08/24/rot-rot-gruen-in-berlin-politik-fuer-immobilienkonzerne/

„Die derzeitige Politik von R2G: Gegen Bewohner*innen und für Spekulant*innen
Absurder Karstadt-Deal, noch ein Skandal im „Neukölln-Komplex“ und brutale Räumung der Kiezkneipe Syndikat.

Ein Statement diverser Initiativen und Aufruf zur Kundgebung am 2.9. 2020 am Hermannplatz

22.08.2020″

Quelle: http://nk44.blogsport.de/2020/08/24/rot-rot-gruen-in-berlin-politik-fuer-immobilienkonzerne/

Und siehe: https://interkiezionale.noblogs.org/post/category/general/
https://interkiezionale.noblogs.org

Solidarität mit Projekten in Berlin und anderswo

Solidarität mit dem Syndikat Berlin Neukölln und allen anderen bedrohten linksalternativen und subalternen Projekten.

Zum Syndikat siehe: https://syndikatbleibt.noblogs.org/

Mehr siehe „Interkiezionale“: https://interkiezionale.noblogs.org/

Demotermine in Berlin allgemein siehe: https://stressfaktor.squat.net/

Syndikat bleibt! Alle bleiben!
One struggle, one fight…!
Bleibt achtsam, wachsam, kämpferisch, wild und gefährlich.

little journey

little time travel
The Sonic II Tapes
https://www.mixcloud.com/deck/playlists/the-sonicii-tapes/

oldschool dnb, trance, house, 90ies, greek radio

https://www.mixcloud.com/cominlikeardcore/δ-λαζαριδησ-dance-tribe-side-b-life-fm-892-athens-631997/

Zeiten des Dunkels in der Kultur

In Zeiten der Corona-Pandemie (unter COVID19) – und des dunklen Dünkels in der Kulturlandschaft – machen wir hiermit auf einen interessanten Beitrag aus dem Audioarchiv aufmerksam. Siehe: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/

„[…] hier die Aufnahmen des fünften Teils der Weimarer Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution, der bereits vor einiger Zeit (2013/14) in der ACC Galerie Weimar stattgefunden hat. Das Thema dieser Veranstaltungsreihe – Dunkelheit und Schwarz in der Kultur – findet sich auch in der jüngst erschienenen KSR-Publikation wieder […]. Zwei Beiträge zur aktuellen Publikation seien der Dokumentation der Reihe vorangestellt:

In einer Audio-Collage gibt es einen hörbaren Einblick in das aktuelle Heft – vertont sind die Einleitung zum Themenschwerpunkt und Auszüge aus dem Text „Lautréamont und kein Ende“ von Julien Graque. Die Collage enthält Samples aus dem Film „Bambule“ von Ulrike Meinhoff und dem Film „if …“ von Lindsay Anderson. […]“

Link: https://www.freie-radios.net/mp3/20200406-dunkelheitun-101359.mp3

Quelle: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/
Abgerufen am 6.7.20.

Mehr, siehe auch: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/#more-911

Vgl. auch:
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/12/10/das-leben-aendern-die-welt-veraendern/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/10/27/talkin-bout-a-revolution-5/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/14/talkin-bout-a-revolution-2/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/10/talkin-bout-a-revolution-1/
- „Missverständnisse über Kulturindustrie“ – http://audioarchiv.k23.in/Referate/Kunst_Spektakel_Revolution/KSR-5-Heftvorstellungen/Jakob_Hayner_Missverstaendnisse_Kulturindustrie__Interview.MP3
- „Der Widerspruch der Kunst“ – http://audioarchiv.blogsport.de/2015/11/01/der-widerspruch-der-kunst/

Ständige Empfehlung: http://audioarchiv.blogsport.de

News aus Berlin: „Demo statt Rave“, „Grünanlagen als Kulturflächen“

Zitiert, aus dem berliner Tagesspiegel online vom 3.7.20:

„Demo statt Rave
Berlin tanzt wieder – immer öfter auch nach Corona-Regeln

Viele sehnen sich nach Elektrobeats und schöpfen legale Möglichkeiten aus. Sind Dance-Demos politisches Statement oder Mittel zum Zweck?
Von Anna Thewalt

Der Sound, der hinter den Bäumen im Treptower Park nahe der S-Bahnstation erklingt, ist altvertraut und doch neu. Obwohl er zu den Grundgeräuschen Berlins gehört, ertönte er in den letzten Monaten nur sehr selten – es ist ein Sound, der aus Beats, Bass und Elektrovibes besteht. Party und Tanz trotz Corona?

Tatsächlich sammeln sich an diesem frühen Donnerstagabend immer mehr Menschen vor zwei großen Lautsprechern und einem DJ-Pult – und das ganz legal. Ein Organisationsteam […] hat zur „Ecstatic Dance Demo“ eingeladen.

Rund 700 Teilnehmende verschlägt die Tanzlust an diesem Abend hierher. „Für die Akzeptanz von Musik und Tanzen als demokratische Willensbildung“, steht auf dem Flyer, der an Interessierte verteilt wird. Es ist nicht die erste Demonstration dieser Art. In den vergangenen Wochen habe es mehr Versammlungen mit musikalischen Beiträgen gegeben als üblich, sagt ein Polizeisprecher.

Es werde aber im Vorfeld geprüft, welche Abläufe und ob sachbezogene Beiträge geplant seien. Heftige Kritik und Zweifel an der Sachbezogenheit hatte es bei der Bootsdemo gegeben, die vor einigen Wochen am Landwehrkanal stattfand und die in eine große Party umgeschlagen war.

Erst Redebeitrag, dann wilde Bewegung

Auch im Treptower Park sieht das Setting mehr nach Rave als nach Demo aus. Allerdings: Die Menschen aller Altersgruppen halten weitestgehend Abstand zueinander. Am Anfang gibt es einen Redebeitrag zu freiem Tanz als politische Handlung.

Danach wird die Musik laut und alle tanzen wild. Darunter Olivia, die erklärt, warum sie gekommen ist: „Ich vermisse das Tanzen so sehr.“ Dass das Ganze eine Demo ist, findet sie nicht so wichtig – stattdessen wünscht sie sich Möglichkeiten, dass Tanzveranstaltungen auch einfach so legal unter freiem Himmel in Berlin stattfinden können.

[Der Anmelder möchte seine] Veranstaltung aber explizit als politisches Statement verstanden haben. Am Anfang sei das Versammlungsrecht vielleicht Mittel zum Zweck gewesen, betont er. Es gehe jedoch nicht nur um die Lust am Tanzen, sondern ein „friedfertiges Miteinander“ in diesen schwierigen Zeiten, formuliert er recht allgemein.

Dann gibt er aber auch zu, dass die Versammlungsbehörde schlicht schneller reagiere als die Bezirksämter, wenn man mit ihnen über Pläne für Tanzmöglichkeiten anderer Art sprechen wolle. Zwar sei es gut, dass der Kultursenator und drei Bezirksbürgermeister die Aktion „Draußen spielt die Musik!“ für Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel ins Leben gerufen hätten, die Mühlen mahlten allerdings sehr langsam.

Zwischen Wunsch und Bürokratie – und manchmal Illegalität

Dabei scheint der Wunsch nach Bewegung unter den tanzwütigen Berlinern groß zu sein: In der Hasenheide finden etwa seit Anfang März illegale Partys statt. Auch ein Besucher der Demo am Donnerstag gibt zu, dass er illegale Partys organisiert – auf weitere Fragen möchte er aber nicht antworten.

Legale Möglichkeiten haben die Veranstalter[*innen] gefunden, die am Wochenende das genehmigte H13-Musikfestival in Spandau organisieren, das bereits ausverkauft ist. Weitere Festivals sind für den Sommer in Brandenburg geplant.

Und Nick Alder, Teil des Organisationsteams der Demo im Treptower Park, hat sich sogar mit dem Bezirksamt Treptow-Köpenick verständigen können: Dieses hat eine Veranstaltung genehmigt, die am Sonntag unter dem Motto „Breathe and Dance“ stattfinden soll. Dabei gehe es darum, Kraft aufzutanken, sagt Alder. Doch für die Genehmigung habe er sich durch die Behördengänge kämpfen müssen.

Bei der Ecstatic Dance Demo müssen die Polizisten noch häufiger auf die 1,5 Meter-Regel hinweisen, doch die meisten halten sich daran und genießen den Tanz mit Abstand.“

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/demo-statt-rave-berlin-tanzt-wieder-immer-oefter-auch-nach-corona-regeln/25974310.html
Abgerufen am 4.7.20.

Wir begrüßen diese Praxis prinzipiell sehr. ;) :) Für das Recht auf Stadt. Nehmt Euch die Stadt. Wessen Park, unser Park, unser aller Park, Treptower for all.

+++

Zitat, berliner Tagesspiegel online, vom 24.6.20:

„Grünanlagen als Kulturflächen
Werden Raves in Berliner Parks bald legal?

Illegale Park-Partys sorgen für Aufregung bei Politik und Polizei. Doch die Szene fordert eine Legalisierung – und verweist auf den Koalitionsvertrag.
Von Felix Hackenbruch

Bässe wummern, bunte Scheinwerfer flackern, ein DJ steht unter einem Pavillon an einer Anlage, Leute tanzen eng an eng. Kein Abstand, keine Masken. Einfach nur Party – mitten in der Pandemie.

Es sind Bilder, die der RBB am Wochenende veröffentlichte, die rund 500 Menschen trotz Regens in der Hasenheide beim Feiern zeigen. Seit März gehe das so, heißt es in dem Beitrag, der für großes Aufsehen sorgte.

„Es war sehr entspannt. Die Leute dürsteten nach Bass und haben eng um die kleine Anlage getanzt“, sagt Ben, der den Rave eine Woche vorher besucht hat und eigentlich anders heißt. Er habe schon seit Wochen von den Veranstaltungen in der Hasenheide gehört, die anfangs aus einer schwulen Szene heraus entstanden seien.

Nach und nach sei der Rave gewachsen, viel Berghain-Klientel und auch Jüngere kamen, vor zwei Wochen seien es zwischen 600 und 700 Feiernde gewesen. „Auch die Polizei war da, hat sich aber deeskalierend verhalten“, sagt Ben.

Auch bei der viel kritisierten Bootsdemo am Landwehrkanal vor einigen Wochen hat er teilgenommen. Die Empörung darüber kann er nicht nachvollziehen. „Ich finde es überzogen, wenn man das als verantwortungslos bezeichnet.“ Abstände seien zwar nicht konsequent eingehalten worden, doch die Teilnehmer würden sich großteils sowieso kennen und die Infektionszahlen seien infolge der Veranstaltungen nicht gestiegen.

„In Bahn und Büros ist es viel gefährlicher“, sagt Ben. Er fordert mehr Augenmaß, die Isolierung von Menschen habe psychische Folgen, die teils gravierender sein könnten als eine Infektion.

In der Politik sehen das viele anders. „Egoismus pur“, schimpfte der Bezirksbürgermeister von Neukölln, […] auf F[…]book.

Der Regierende [Bürgermeister von Berlin] sagte in einer TV-Ansprache am Montagabend: „Es ist nach wie vor nicht die Zeit für sorgloses Feiern in großen Gruppen.“

Polizei hat strengere Kontrollen angekündigt

Noch deutlicher wurde [der] Innensenator [von Berlin] am Dienstag: „Das ist ein höchst unsoziales Verhalten“, sagte er dem Radiosender RBB 88,8 und kritisierte Übergriffe von Feiernden gegen die Polizei.

Bei den aggressiven Partymachern handele es sich vor allem um „testosterongesteuerte junge Männer, die sich versammeln und glauben, Regeln gelten nicht für sie und sie müssten keine Rücksicht auf andere Menschen nehmen“, [sagte er]. Die Polizei hat strengere Kontrollen angekündigt.

Doch es gibt auch andere Stimmen: „Es ist absolut irrational zu glauben, dass sich durch Appelle alter Politiker junge Menschen zu Hause einschließen“, sagt [ein] clubpolitischer Sprecher […]. In den Ferien und bei den sommerlichen Temperaturen sei mit weiteren Partys zu rechnen. Statt die Feierszene zu verdrängen, will er sie aus der Illegalität bringen. Er fordert Open-Air-Partys unter Auflagen, wie Lärm-, Müll- und Infektionsschutz. „Wir sollten gesetzlich erlauben, dass Grünanlagen auch zu Kulturflächen werden könnten“, sagte [er].

Mit dieser Idee beschäftigt sich die Berliner Politik nicht erst seit der Corona-Pandemie. Im […] Koalitionsvertrag von 2016 heißt es auf Seite 123: „Die Koalition strebt die Entwicklung von Orten im öffentlichen Raum an, die unbürokratisch für nicht kommerzielle Musik und Partyveranstaltungen unter freiem Himmel genutzt werden können.“

In ein Gesetz gegossen hat die Koalition diese Passage bislang jedoch nicht, durch Corona wird die Idee aber wieder diskutiert.

Vor zwei Wochen kündigten zudem die […] Bezirksbürgermeister von Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg an, Frei- und Grünflächen, Straßen, Plätze und auch Sportplätze für Kulturveranstaltungen zu öffnen. Unterstützt wurden sie dabei vo[m] Kultursenator [von Berlin].

„Das Interesse daran ist bislang überschaubar“, sagt [der] Bezirksbürgermeister in Lichtenberg. Zieht das Partyvolk also bald in die Falkenberger Rieselfelder, die Malchower Aue oder den Stadtpark Lichtenberg? „Für Raves war das eher nicht gedacht“, sagt [er]. Vielmehr ginge es um Künstler, die keine Bühne mehr hätten. Das Theater an der Parkaue nutze das Angebot beispielsweise bereits.

Bootsdemo hat bei Behörden Vertrauen zerstört

Und Partys? „In den Grünflächenämtern gibt es Vorbehalte gegenüber Raves“, sagt [er]. Illegale Veranstaltungen und die Bootsdemo hätten die Szene stigmatisiert. „Wir bräuchten gute Beispiele“, sagt der Bezirksbürgermeister. Für Gespräche mit der Clubcommision stehe er aber, wie schon in der Vergangenheit, bereit.

Dort beschäftigt sich Ilya Minaev bereits seit Jahren mit dem Thema freier Open-Air-Veranstaltungen. Im vergangenen Jahr hat die Clubcommission dazu ein Pilotprojekt auf einer Industriebrache im Spandauer Ortsteil Haselhorst gestartet. An 40 Abenden und Nächten sei dort 2019 legal gefeiert worden – ohne Beschwerden, ohne Probleme. In diesem Jahr habe man das Projekt auf den Spreepark in Treptow ausweiten wollen, die Behörden hatten bereits grünes Licht erteilt, doch dann kam Corona.

Nun hofft Minaev, dass der Feierszene bald neue Flächen zur Verfügung gestellt werden. „Wir wollen die Leute in die Legalität bewegen“, sagt er.

Auch er plädiert dafür, Veranstaltungen mit DJs, verstärkter, elektronischer Musik und gegebenenfalls auch Lichtshows unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Bislang habe es nur in Pankow Gespräche gegeben, dort kommen Grünflächen wegen ihres desolaten Zustands jedoch nicht in Frage. Stattdessen seien Plätze oder Brachen denkbar.

Intern hat man für legale Raves bereits Listen erstellt, die die soziale und ökologische Nachhaltigkeit garantieren sollen. Diese wurden nun um Empfehlungen zum Infektionsschutz erweitert.

Die Veranstalter sollen die Kontaktdaten aufnehmen, an Getränkeständen sollen Plexiglasscheiben angebracht, auf Abstand soll geachtet werden. „Wir wollen ein Zeichen setzen, das diese Kultur auch verantwortungsvoll sein kann“, sagt Minaev. „Aber dafür brauchen wir auch einen rechtlichen Raum.““

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/gruenanlagen-als-kulturflaechen-werden-raves-in-berliner-parks-bald-legal/25943478.html
Abgerufen am 25.6.20.

Hm. Was ist „legal“? Wir sind uns noch nicht so sicher ob das alles so gute Ideen sind und ob das mit den Daten so in Ordnung ist. Dazu gibt es bei uns zumindest sehr sehr viele, sehr verschiedene Meinungen und Ansichten, die z.T. weit auseinander gehen. Aber das ist halt „Demokratie“. Also, bleiben wir gespannt und organisieren solange etwas anderes, etwas wichtiges, nämlich gezielte Solidarität.

Viel Spaß. Passt auf Euch auf. Bleibt stabil.

23.06.2020: Verbot von sog. „Tanzlustbarkeiten“ in Berlin

Laut Pressemitteilung (PM) und Beschluß vom 23.06.2020 hat der Senat von Berlin sog. „Tanzlustbarkeiten“ und „Tanzveranstaltungen“ verboten…
Quelle, vgl.: https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.949728.php .

Weil tanzen und Musik zusammengehören wie Töne und Melodien, mischen wir uns hiermit in die öffentliche Debatte ein und protestieren entschieden dagegen.
Denn unserer Ansicht nach können bei Veranstaltungen, insbesondere bei Open-Air-Veranstaltungen – also auch wie bei sonstigen Versammlungen unter freiem Himmel – der Mindestabstand von 1,5m und mehr sowie die Hygienestandards locker eingehalten werden.

Politische Versammlungen sind nunmehr erlaubt.

Zitat: „Senat beschließt SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung
Pressemitteilung vom 23.06.2020
Aus der Sitzung des Senats am 23. Juni 2020:
Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung die SARS-CoV-2-Infektionsschutz-verordnung beschlossen.
Die SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung löst die SARS-CoV-2-Eindämmungs-maßnahmenverordnung ab.
[…]

Die wichtigsten Punkte der neuen Verordnung:
[…]

Personenobergrenzen bei Veranstaltungen:
Veranstaltungen im Freien mit mehr als 1.000 Personen sind weiterhin bis einschließlich 31. August verboten. Vom 1. September bis zum Ablauf des 24. Oktober sind Veranstaltungen im Freien weiterhin mit mehr als 5.000 Personen verboten.
In geschlossenen Räumen gilt folgendes Stufenmodell: bis einschließlich 31. Juli sind Veranstaltungen mit mehr als 300 Personen verboten. Vom 1. August bis 31. August sind Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen verboten. Vom 1. September bis Ablauf des 30. September sind Veranstaltungen mit mehr als 750 Personen verboten. Vom 1. Oktober bis zum Ablauf des 24. Oktober sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen verboten.
Private und familiäre Veranstaltungen dürfen künftig mit denselben Personenobergrenzen stattfinden, also z.B. bis Ende Juli mit bis zu 300 Personen.

Verbote:
Tanzlustbarkeiten, Tanzveranstaltungen und ähnliches, Saunen, Dampfbäder und ähnliches, die Erbringung sexueller Dienstleistungen mit Körperkontakt sind untersagt.

Bußgelder:
Ordnungswidrig im Sinne der Verordnung und des Infektionsschutzgesetzes ist es grundsätzlich, wenn die Vorgaben für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nicht eingehalten werden. Hier kann in allen Anwendungsbereichen ein Bußgeld zwischen 50 und 500 € fällig werden, auch im ÖPNV.“

Quelle: https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.949728.php
Abgerufen am 24.06.2020

Es verwundert uns doch sehr, daß nun auf einmal Verbote folgen, obwohl die vorherigen Maßnahmen doch zu wirken und als ausreichend erschienen.
Unserer Meinung nach sind Verbote – aus Erfahrung (empirisch nachweisbar und statistisch belegt) – prinzipiell nicht sonderlich zweckdienlich, nicht nützlich oder bewirken – in der Folge einer häufig reflexhaften Gegenreaktion – eher nur das Gegenteil.
Generell sowie – aus vielerlei Gründen – frustrierten und größtenteils sozial benachteiligten Menschen das Tanzen und den Spaß sowie damit einhergehend die Erholung und ihren freien kulturellen Ausdruck zu verbieten halten wir für besonders schädlich und nicht förderlich für jegliche gute Sache.
Vorgeblich gut gemeint oder gut gedacht ist nicht, immer gleich, gut gemacht. Das sollten Politiker*innen bestens wissen.

Wir können daher nur dazu raten sich frei, in den erlaubten Bereichen und im Bereich des Erlaubten, zu versammeln, Musik dabei zu haben und es sich nett zu machen, im Park, auf der grünen Wiese oder anderswo und anderswie.
Selbstverständlich, mit Achtsamkeit und Respekt, unter gemeinsamer Rücksichtnahme auf sich und andere.
Tragt Masken, haltet Abstand, seid nett zueinander. Bleibt gesund, haltet euch fit.
Organisiert Solidarität.

Siehe auch: https://www.berlin.de/corona
https://www.berlin.de/corona/massnahmen/verordnung/
https://www.berlin.de/corona/massnahmen/ …

Studio stabil is on the move

Good old studio stabil is moving to a new domicile…

studio stabil moving part one

Stay tuned…

Donate for the new studio STABIL!
Paypal: „mbf (at) 10247 (dot) net“.

The night is to play

katatonik-20-21062020freeparty

Tips für den 21. Juni 2020 in Berlin

Zusehends werden die rigiden Maßnahmen gelockert…
D.h. Ihr könnt (Euch) wieder gut draußen selbst etwas organisieren. Wie z.B. kleine Mini-Open-Airs unter Einhaltung der gebotenen Vorsicht und selbstverständlich mit Beachtung der Hygieneregeln.
Vgl.: https://www.berlin.de/corona/

„In Menschenansammlungen und auf Veranstaltungen ist das Risiko einer Ansteckung sehr hoch. Daher dürfen öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen und Versammlungen vorerst bis einschließlich 04. Juli nicht bzw. nur eingeschränkt stattfinden.
Private und öffentliche Veranstaltungen

Seit 02. Juni dürfen öffentliche und private Veranstaltungen wieder stattfinden. Die zugelassene Personenzahl wird schrittweise erhöht:

Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen zunächst mit maximal 150 Personen stattfinden. Ab 30. Juni erhöht sich die maximal erlaubte Personenzahl auf 300.
Open Air-Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen sind zulässig. Veranstaltungen unter freiem Himmel mit bis zu 1.000 Teilnehmenden sind ab 30. Juni erlaubt.
Darüber hinaus sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmer*innen vorerst bis einschließlich 31. August nicht erlaubt. Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Personen sind bis einschließlich 24. Oktober verboten.

Voraussetzung für die Erlaubnis aller genannten Veranstaltungen bleibt, dass die Veranstalter*innen die Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygienevorschriften gewährleisten. Dazu gelten folgende Bestimmungen:

Die Veranstalter*innen sind dazu verpflichtet, eine detaillierte Anwesenheitsdokumentation zu führen, auf welcher die vollständigen Namen, Adressen und Kontaktdaten aller Teilnehmenden festgehalten werden. Im Falle einer Infektion kann das Gesundheitsamt mithilfe der Liste alle potentiellen Kontaktpersonen schnell informieren. Die Daten müssen vier Wochen aufbewahrt und anschließend vernichtet werden.
Ein Konzept zur Steuerung des Zutritts, Vermeidung von Warteschlangen und Einhaltung des geltenden Mindestabstandes durch die Teilnehmer*innen und Besucher*innen muss erstellt und umgesetzt werden.
Innenräume müssen ausreichend belüftet werden.
Gut sichtbare Aushänge informieren alle Anwesenden über die geltenden Maßnahmen und Vorschriften.
[…]

Versammlungsfreiheit: Politische Kundgebungen, Demonstrationen und Aufzüge

Die Erlaubnis für die genannten Versammlungen gilt nur, wenn die Einhaltung der Hygienerichtlinien gewährleistet ist. Teilnehmer*innen müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zu haushaltsfremden Personen einhalten. Die zulässige Teilnehmendenzahl ist von der Versammlungsleitung sicherzustellen. Weiterhin haben Veranstalter*innen ein Hygienekonzept zu erstellen, welches die Einhaltung des Abstands- und Hygieneregeln gewährleistet. Auf Wunsch ist dieses Konzept der zuständigen Behörde auszuhändigen. Die versammlungsrechtlichen Vorschriften gelten weiterhin. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist empfohlen.“

Quelle: https://www.berlin.de/corona/massnahmen/veranstaltungen-und-kultur/
Abgerufen am 13.06.2020.

+++

Was geht also am 21.06.2020 in Berlin?
Siehe z.B. Stressi: https://stressfaktor.squat.net/termine/alle?f[0]=event_date%3A2020-06-21

Sonderseiten zu Covid: https://stressfaktor.squat.net/covid-sonderseiten

https://stressfaktor.squat.net/covid-termine

+++

Wenn Ihr gute Livestreams oder gut organisierte Veranstaltungen für den 21.06.2020 wisst, die öffentlich beworben werden dürfen, dann nennt sie uns gerne per E-Mail.

+++

Ansonsten empfehlen wir erstmal den netten Channel von Dequarantize.me auf YT: https://www.youtube.com/channel/UCh99FA96Wtv5kZM8pcnZ1Uw

+++

CYA!
Take care. Stay safe. Be friendly. Keep the distance. Wear a mask. Feel hugged. Organize solidarity.

Datacide disconnected from fb

„If you’re using facebook you may have noticed that [the] very web site [of Datacide] has been blacklisted. It is no longer possible to link to it from facebook, and all existing links have been removed. The Datacide page on fb still exists, so it’s not that Datacide per se has been banned. But when you try to set a link it claims that the site “violates community standards” or that it “includes content that other people on Facebook have reported as abusive” (depending on how you try to set a link you get either of those “error” messages). The latter suggests that it’s the result of a campaign, and not a mistake by fb’s AI as we initially assumed. But this is speculation – no reason or cause has been given by facebook.

Links to datacide-magazine.com on facebook have been blocked for several weeks now – we and a number of people have filed complaints/error reports, but unsurprisingly these have been ignored by facebook. It’s a crass example of an intransparent and unaccountable Behemoth exercising censorship.

How bad is this for us?

An analysis of the our site’s referrers shows that “only” 14.1% of referrals are from fb, the vast majority is from search engines (67.5%). The rest is made up from Twitter (2.6%) and all other web sites combined with 15.8%.

However, when new material is posted on the site, social media do drive a large section of the immediate readership in the short term, while search engines and links from other web sites are more responsible for long term traffic.

In the meantime we will not only use twitter (https://twitter.com/noise_politics) more, but have also set up a telegram channel https://t.me/datacide.
Please follow/subscribe! And share our content to your own twitter and telegram followers and contacts!“

Source: https://datacide-magazine.com/our-web-site-is-blacklisted-by-facebook/

So, we think that it’s time to disconnect everything from fb, after all a kind of idiotic media form in the world wide web, where there is much more and much better stuff than that… even really more social and more real of course… nearer to life. …thus if not yet done, happened or if not never been there nor been have to be used to it… better not to be abused.

Support, donate and subscribe to datacide:

https://datacide-magazine.com/subscribe

congratulations.
for more free critical media.

+++
and for good music visit: https://praxis-records.net/ ;)

Lernen von den Specials

„Lernen von den Specials
… im Guten wie im Schlechten. Ein Wegweiser für linke Gruppen. Von Katrin Hildebrand

Es war einmal eine Band. Sie war berühmt und albern, politisch und witzig, libidinös und irgendwie verloren. Trotz des Rummels, der um sie herrschte, trotz ihrer bis ins Detail gestylten eitlen Outfits mit Porkpie-Hut, Anzug, Loafers und Doc Martens, blieb sie greifbar, nah am Menschen, nah an der sozialen Realität, nah an den meisten, die ihr zujubelten und mit ihr tanzten. Vier Jahre lang hielt die Band durch. Dann hassten sich ihre Mitglieder, beneideten einander, schlugen mit Gitarren auf Orgeln, hörten auf zu reden, intrigierten, bis sich drei schließlich still, heimlich und leise davonschlichen und ihre eigene, kaum mehr bedeutsame Sache machten. Einige wenige Verbliebene bäumten sich mit letzter Kraft noch einmal auf – um zu implodieren.

Die Geschichte der Specials aus Coventry ist prototypisch für das klassische Musikgeschäft. Immer wieder kam es zu kontroversen Ausstiegen und Auflösungen – von den Beatles über Oasis bis zu Modern Talking. Doch da die Specials nicht nur Musik machten, sondern von Anfang an Anspruch auf progressive politische und soziale Relevanz erhoben, sind sie auch prototypisch für Gruppen, die das tun, seien es Künstler oder Politaktivisten. Materiell betrachtet, wirkten auf die Ska-Band mit ihren antirassistischen, sozialistischen und gesellschaftskritischen Songs ähnliche Kräfte wie auf linke Gruppierungen. Der unablässige Wettbewerb, der Kampf um Pfründe und Einfluss, die ewige Angst vor dem persönlichen Untergang, machen keinen halt vor jenen, die genau das kritisieren, dagegen angehen und die Zusammenhänge ansatzweise verstanden haben. Ein rationales Bewusstsein schafft noch kein psychisches Bewusstsein, noch kein Vordringen in Sphären jenseits von Verstand, Vernunft und reiner Argumentation. Wer die Theorie des Kapitals, des Patriarchats und anderer menschlicher Gewalt- und Zwangssysteme kapiert hat, beherrscht deswegen noch lange nicht die psychische Praxis eines neuen sozialen Umgangs. Die Gesetze des bestehenden Elends haben sich tief im Unbewussten internalisiert.

In linken Politgruppen gibt es immer wieder Konflikte. Sie selbst – und meist auch Außenstehende – betrachten diese Konflikte gerne nur als Resultate inhaltlicher Positionen. Oft aber gibt es schnelle, ja, urplötzliche Positionswechsel innerhalb von Kollektiven, die nicht notwendig deduktiv verstehbar sind. Womöglich sind einige dieser Probleme viel grundlegender als der Austausch von Argumenten: materiell bedingt, gesellschaftlich manifestiert und auch an einer Popgruppe erkennbar, die vielversprechend startete und zerfleddert endete.

Es gibt viele linke Bands. Einige plumpe, einige elegante – und viele deutlich reflektiertere, dialektischere, intellektuellere als die Specials. Was sie in ihrer aufstrebenden Phase jedoch auszeichnete und ihnen eine einmalige Kraft verlieh, war ihre soziale Vielfalt. In die linksintellektuelle Sphäre übertragen, saß da eben nicht das Grüppchen antideutscher Bürgersöhne, die alle schon heimlich auf die Unikarriere und die Professur schielen, davor aber noch mal mächtig radikal vom Leder ziehen, um in ihrer männlichen Peergroup einen Spitzenplatz einzunehmen – oder zumindest das Lob der Patriarchen einzustreichen.

Bei den Specials trafen Welten aufeinander: Der Special mit der stursten künstlerischen Vision und politischen Position war Keyboarder Jerry Dammers, Sohn eines anglikanischen Geistlichen, überzeugter So-zialist und Antirassist, Exzentriker, eine Art weltanschauliches Wunderkind, erst Mod, dann Hippie, dann linker Skinhead. Schon als junger Teenie agierte er in den Sechzigern gegen die Apartheid und wurde von einem Lehrer als Kommunist beschimpft. Später zählte er das »Mad Magazine« zu den wichtigsten Einflüssen seines Lebens und wich damit, wenn auch leicht scherzhaft, vom klassisch bildungsbürgerlichen Dünkelkanon vieler linker Intellektuelleneliten ab. Einen komplett anderen Hintergrund brachten Toaster und Percussionist Neville Staple und Rhythmusgitarrist Lynval Golding ein: Beide waren als Kinder aus Jamaika nach Großbritannien gekommen. Ihr migrantisches Wissen paarte sich mit Erfahrungen von beinhartem Rassismus – Golding etwa wäre durch eine Messerattacke beinahe gestorben. Staple wiederum verfügte über Street Credibility, er bezeichnete sich selbst (nach einer jamaikanischen Jugendbewegung) als echten »rude boy«. Dazu gesellten sich weitere eigenwillige, seltsame und zum Teil gebrochene Individuen. Stark vereinfacht: ein schwer traumatisierter Leadsänger, ein hochintelligenter Drummer, ein adoptierter Bassist, ein aufbrausender Leadgitarrist, ein Musikus am Kornett, ein kubanischer Rastafari, deutlich älter als der Rest – und gegen Ende noch eine Woman of Colour. Es mischten sich Bürgertum, Unter- und Mittelschicht, sozial Diskriminierte, Künstlertypen und ein religiöser Spinner. Diese Heterogenität zählt sicher zu den Gründen,
warum sich der männliche Spiegel in der Band nie so stark etablieren konnte wie in universitär geprägten, intellektuellen linken Lese- und Vortragsgruppen, wo der Novize dem Patriarchen am liebsten Finger und Geschlechtsorgane abschlecken würde. Bei den Specials gab es keinen Patriarchen, höchstens irgendwann einen Diktator, dem die Untertanen davonrannten.

Erstaunlicherweise ist sogar in klassischen Rockbands der männliche Spiegel – eine Herrenrunde versichert sich gegenseitig des phallischen Glanzes – leicht gebrochen. Durch harte Drogen, durch Egomanie, durch eine homoerotische Hassliebe, vorzugsweise zwischen Sänger und Leadgitarrist, die die anderen Mitglieder auf die Plätze verweist. Ihren Narzissmus lassen die Platzhirsche lieber vom Publikum spiegeln, am Mikrofon und natürlich bei orgiastisch peinlichen Gitarrensoli. Immer wieder ein Lacher: Slashs ausführliches Masturbieren an den Saiten im Schmalzvideo »November Rain« von Guns n’ Roses.

Bei den Specials war das alles ein wenig anders. Zunächst waren sie nicht pathetisch. Und zusätzlich zu ihrer Heterogenität wiesen sie eine für eine Band recht eigenwillige Grundkonstellation auf. Ihr heimlicher Kopf und Visionär sang nicht, verging sich auch nicht an der Gitarre, er spielte Orgel und war, wenn es nicht um die Band ging, tapsig, desorganisiert und mit einem oft missverstandenen Humor gesegnet. Zudem verfügten sie nicht über einen, sondern über zwei Frontmänner und desavouierten so ein bisschen das Führerprinzip des Pop: Sänger Terry Hall litt an Depressionen, inszenierte sich jedoch nicht als Leidender. Er wirkte gehemmt, distanziert. Neville Staple besaß zwar Star-Appeal. Doch er hatte eine Hautfarbe, die nicht der rassistischen britischen Norm entsprach, pflegte eine Kasperlrolle und tanzte zu inbrünstig, um abgeklärt zu wirken. Die vergleichsweise schrullige Besetzung erlaubte es der Band zunächst, bei Konzerten als Kollektiv aufzutreten und Grenzen zu überwinden. Auf der Bühne wuselte es – nicht nur von Musikern, sondern in frühen Tagen auch von Fans. Die Specials erlaubten dem Publikum eine stage invasion. Einige alte Aufnahmen zeigen sogar Momente, in denen die Trennlinie von Künstler- und Zuschauerraum komplett fällt: Dammers Keyboard steht mitten im Publikum, die Tanzenden hindern ihn am Spielen, er lässt es geschehen und tanzt mit.

Dieser kommunistische Ansatz musste scheitern. Nicht nur, weil die stage invasion zu Verletzungen und Saalschlachten führte – meist wegen Trunkenheit und britischer rudeness, aber auch die National Front suchte einzelne Gigs heim und zeigte den Hitler-Gruß. Das Scheitern lag ebenso in der Band begründet: Die Specials hatten ihre nicht-autonomen Publikumssubjekte ebensowenig im Griff wie sich selbst. Denn neben den üblichen Musikbizproblemen – Tournee-stress, Drogen und von allem ein bisschen zuviel – sollten sie rasch merken, dass man das Kollektiv im Kapitalismus zwar gerne postulieren kann, das Postulat aber kippt, sobald die Materie voll zuschlägt.

Wenn das System eine systemkritische Gruppe niederringt, kann das verhältnismäßig harmlos sein und in Streit, Trennung und eine beschädigte Orgel münden wie bei den Specials. Es kann aber auch zur Hölle werden. Unter Druck von außen, unter Extrembedingungen gibt es grob gesagt zwei Möglichkeiten, wobei Möglichkeiten nicht im Sinne von Entscheidungsvielfalt gemeint ist, sondern: Wo fällt die psychologische Gruppendisposition hin? In Richtung Zusammenhalt oder in Richtung Zerstörung? Oft gibt es beides. Wie etwa bei den RAF-Gefangenen in Stammheim. Soweit es die, vorsichtig formuliert, »besonderen« Haftbedingungen erlaubten, arbeitete man zusammen, als vorbereitendes Kollektiv, und trat vor Gericht geschlossen auf. Doch gibt es genügend Hinweise, dass es zwischen den Gefangenen untereinander zu sadistischen Psychodynamiken kam, einzelne fertiggemacht wurden und der Hass, bedingt durch den Druck, die Isolation und die juristischen Entgleisungen des Staates, auch untereinander beizeiten wuchs.

Auf die Specials wirkte der Musikmarkt. Jerry Dammers, den Sozialismus fest vor Augen, wusste das zumindest in der Theorie. In der Praxis rang er verzweifelt um seine Ideale: Auf Tournee weigerte er sich, in fancy Hotels abzusteigen, nächtigte notfalls in Jugendherbergen und trieb den Manager damit in den Wahnsinn. Zudem zog er den Truck der Road Crew einer Bandlimousine vor und nahm notfalls ein Taxi, während die anderen im schicken Großraumwagen reisten. Einmal ließ er sogar Fans, die keine Unterkunft hatten, in seinem Hotelbett schlafen, und legte sich selbst auf den Boden. Auch hatte er seine Kollegen, um mehr Egalität zu schaffen, zunächst mehrfach da-zu animiert, selbst zu komponieren. Der Kapitalismus nämlich unterscheidet zwischen Songwriter und reinem Interpret, zwischen geistigem Eigentum und Handwerk. Wer komponiert und spielt, verdient in ei-ner Band mehr als einer, der nur spielt. Und da schlug die Materie zu, auch bei Dammers: So entbrannte im Lauf der Zeit unter denen, die Stücke schrieben, ein verkappter Kampf um die Royalties. Wie es das Wettbewerbs-system so wollte, erhielt bei einer Maxi die Person die größten Pfründe, deren Werk auf der A-Seite landete. Die B-Seite war weniger lukrativ.

Die allerletzte Maxi, ja, überhaupt die letzte Platte, die die Specials im Original-Line-up aufnahmen, sollte Songs dreier Autoren enthalten: ein Nachtlebenlied von Sänger Terry Hall, das Stück »Why?« von Gitarrist Lynval Golding über die Messerattacke und einen Song namens »Ghost Town« – alle eigentümlich fluffig und zugleich voller Tiefe. Musikgeschichte allerdings schrieb Dammers’ »Ghost Town«. Das Stück landete auf der A-Seite und brachte das Fass zum Überlaufen. Bei den Aufnahmen kam so viel Hass auf den »Diktator« Dammers hoch, dass Leadgitarrist Roddy Radiation ein Loch in die Wand des Studios schlug. Fast hätte der Betreiber und Tontechniker die Band rausgeschmissen. Die Specials gab es daraufhin nur noch sechs Monate. Im Oktober 1981 gründeten Hall, Staple und Golding eine eigene Gruppe und waren weg.

Getrennte Wege

Das Phänomen der Trennung gab es in der Linken Millionen Mal. Oft hatte es inhaltliche Gründe. Oft aber geht es hinter den Kulissen und ganz tief im Inneren um klassische Konkurrenz. Das muss nicht immer der vom Kapital geschürte Kampf um Posten und Pfründe sein, gerade in hochdialektischen Kreisen reicht schon die Konkurrenz um die avantgardistischste Position. So verlieren superintellektuelle Linke im geistigen Schwanzvergleich (Sorry, guys!) schnell jeglichen Bezug zur Materie, indem sie sich gegenseitig in pseudodialektischem Um-die-Ecke-Denken zu übertrumpfen suchen: In sophistischen Wortgefechten mit dem ideologisch gar nicht so weit entfernt stehenden Kombattanten werden schon mal Diktatoren und regierende Dumpfmuffen zu klammheimlichen Aufklärern hochstilisiert, um den Gegnern intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren. Andere linke Zirkel führen einen Kampf um die größte Hingabe (an eine bestimmte »Volksgruppe« oder ähnliches) oder den größten Opferstatus. So zersplittern sich Aktivist_innen in immer kleinere Identitätsgrüppchen und bekämpfen die ihnen nahestehenden Genoss_innen schlimmstenfalls mit größerer Vehemenz als die Nazis.

Zurück zu den Specials. Das Besondere an »Ghost Town« war nicht die Tatsache, dass der Song auf Platz eins der UK-Charts landete. Es ist ein kühles, gespenstisches und musikalisch avantgardistisches Lied gegen den Thatcherismus, die Armut, den Rassismus der britischen Gesellschaft und ihrer Autoritäten. Musikalisch ging Jerry Dammers, wie schon in einigen Songs auf dem zweiten Specials-Album, dessen Erscheinen sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt, über das ursprüngliche Erfolgskonzept der Band hinaus. Ska und Reggae, Postpunk und New Wave waberten zwar noch mit, doch dazu kam eine Art dunkler Loungejazz. Dammers hatte lange dafür gekämpft, diese Form von Easy Listening, die ihm auf Tour durch die USA im Alltag begegnet war, auf der LP »More Specials« zu integrieren. Seine Position: nicht beim Alten stehenbleiben; Kunst muss, wenn sie an der sozialen Realität dranbleiben will, mit der Geschichte und Materie voranschreiten und auf sie reagieren. Um dieses Prinzip durchzuboxen, begann er, entgegen seiner kollektivistischen Gesinnung, den eher traditionellen, am Rockabilly orientierten Kompositionsstil von Gitarrist Roddy unterzubuttern.

Daran offenbaren sich zwei grundlegende Probleme einer intellektuellen Gruppendynamik: das Fetischisieren eines ideologischen Fixpunktes und die Arroganz des Wissenden. Während ein Teil der Specials am britischen Ska-Revival-Sound festhalten wollte, der sie zu Legenden gemacht hatte, verlangte Dammers Mut zu Materialismus, Historizität und Entwicklung. Weil ein Teil der Band begann, Ska zu fetischisieren und damit nostalgisch zurückzuschreiten, entwickelte er sich zum Diktator. Eine Lose-lose-Situation für alle.

Im Grunde hatte der sozialistische Diktator ja recht. Materialistische Kunst und materialistische Politik können nicht stehenbleiben. Ein einmaliger Fixpunkt muss immer wieder hinterfragt werden und in verschiedenen Kontexten verhandelt. Denn nicht immer kommt diesem Fixpunkt in jedem Kontext die gleiche Wertigkeit zu. Einige Kreise würdigen etwa die USA wegen ihrer Rolle als Befreier im Zweiten Weltkrieg. Mit gutem Recht. Zum Fetisch aber wird das Ganze, wenn man alles, was in den USA passiert, vor diesem Hintergrund romantisch verklärt, wenn man die USA zum Heiland des Weltgeistes macht. Das Prinzip funktionierte ebenso mit der Sowjetunion, wenn’s blöd läuft, sogar mit Atlantis. Sogar den negativen Fetisch gibt es. So soll es Linke gegeben haben, die deutschen Faschismus und Nationalsozialismus nicht historisch, soziologisch, psychologisch deuten, sondern in den Genen vermuten. Vor allem hinter der erstgenannten Art Fetisch steckt freilich eine Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Schönen, aber auch die Sehnsucht nach dem Wettbewerbsvorteil, und sei es nur der ideelle, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen. Letztlich spaltete der Kampf um die moralisch richtige Seite auch die Specials. Ein Teil hielt an einem alten Fetisch fest, Jerry Dammers an der Kraft seiner Erkenntnis. Beide Seiten hatten gute Gründe. Getrennt hat sie ein Konkurrenzkampf, dem sie nicht gewachsen waren. Die Materie schlug zurück.

Nach dem Split der Specials formierte sich um Dammers die Band The Special AKA. Ihr Erbe ist zwiespältig, politisch wie musikalisch. Momente der Aufklärung stehen ideologischen Fehlschlüssen gegenüber. Ein Song allerdings ist musikhistorisch einmalig in seiner Drastik und politischen Brisanz. Im Original stammt er von der Ska-Frauenband The Bodysnatchers, die von Dammers gefördert worden war, aber bald zerfiel. Deren Frontfrau Rhoda Dakar war nun Mitglied von The Special AKA. Ihr Schreien am Ende von »The Boiler« lässt sich nicht beschreiben. Man muss den Song hören. Viele schaffen das nur ein Mal.

Katrin Hildebrand liebt besonders Sturschädel Jerry Dammers (trotz kleiner ideologischer Differenzen), kann aber kein spezielles Album empfehlen, da alle liebenswert chaotisch sind“

Aus: Konkret 6/2020
Quelle: https://konkret-magazin.de/480
Konkret kaufen: https://konkret-magazin.shop/hefte/
Konkret abonnieren: https://konkret-magazin.shop/abos/

Kataxnia soli live stream on 053020

greececrustsolilivestream 053020

„For you crusties this Saturday: Live-streaming solidarity concert, promoting the Solidarity Fund for imprisoned and persecuted revolutionaries in Greece.

For donating and more info check the following link: https://www.firefund.net/imprisonedsoli

The link for live-streaming will be uploaded on Saturday 30/5, 19:00 (CET) one hour before the broadcast.

*** https://www.youtube.com/watch?v=f2GV8FcQFNc
***

„Music is a reference point to meet, communicate and convey feelings; a way of expressing our thoughts. It’ s imperative that it functions as a hammer to strike down oppression and a means to express solidarity.

Throughout our musical journey we strive to give life to our personal desperations, via notes and lyrics, as we scream during concerts, together with all of you, about ‘storms of restlessness’ that are coming…

These days, we experience an unfamiliar predicament…and while recovering from a regime of total social isolation, we shyly start to meet again…although the moment where we all meet together in a concert, seems to be vague and delayed…

That is why we took the initiative, together with comrades and friends, to organise a live-streaming solidarity concert, promoting the fund raising campaign of the ‘Solidarity Fund for Imprisoned, Persecuted Revolutionaries’.

Each contribution is truly necessary, no matter the amount.

Until we meet again…
Solidarity is our weapon!

P.S.: Special thanks, in advance, to all technicians and people who are going to help realise the live streaming“

Source: https://www.firefund.net/imprisonedsoli
https://www.firefund.net/

See: https://www.firefund.net/about/howdoesitwork

Blog: https://medium.com/@firefundnet

In greek: http://www.tameio.org/

About the band: https://kataxnia.bandcamp.com/

Music: https://soundcloud.com/kataxnia/8a-1

See also: https://www.last.fm/music/KATAXNIA

https://lightaudio.ru/mp3/kataxnia