Archiv für Dezember 2016

Exit 2016 – Silvester Freeparty @ Kili

Exit 2016

„Silvester freeparty on donations @ Kili

Start: 1:00am (1.1.2017)

Tekno, Tribe, Acid, Breakcore, Hardcore, Jungle, Drum&Bass, Crossbreed.
Floor 1 by A_sound. Floor 2 by Nopos, Kasalla, tba, Indutiarum (DD).“

Kulturhaus KiLi
Wiesenweg 5-9
Bln

http://kulturhauskili.wixsite.com/kulturhaus-kili

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„Wie jedes Jahr, veranstaltet das Kili eine eintrittsfreie Silvester Party für ALLE. Kommt und lasst euch überraschen. Es sind mehrere Kollektive im Hintergrund die die Party gestalten. Deko, Infostand, Essen, Tekno & Elektro, Musik ohne ENDE..

Tekno // Techno // Electro // Tribe // Acid // Breakcore // Hardcore // Jungle // Drum&Base

Floor 1 by A_sound
Floor 2 by Nopos, Kasalla, tba, Indutiarum (DD)

Mr. Headroom (live; A_sound)
Ad_hoc (live; Ad Absurdum)
Pelikan & Kresse (live)
Vox Sola (Follow the White Rabbit)
Nautilus (A_sound)
Ranzfanz (A_sound)
Vortex Dynamics (Cyberrise)
Chantal (Cyberrise)
Rat-C (Joprec)
Rob (AmazinMono)
LLeLLo (A_sound)
Agent Pendergast (Subotnik Kombinat)
Klang und Rauch
Eosophop (Indutiarum Sound)
Konphus (tba Soundsystem)
Rhaw (Kasalla Soundsystem)

more tba….

1:00h-15h“

http://kulturhauskili.wixsite.com/kulturhaus-kili/events

https://www.facebook.com/events/337370253328115/

http://stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=31122016

https://www.mixcloud.com/Indutiarum/

https://www.facebook.com/Indutiarum-Sound-189004057838279/

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Welcome 2017

Party, Chillout, Afterhour, Neujahr im Hangar 1.1.2017

„Hangar, Markgrafendamm (am/neben dem FIPS-Gelände): Party
Auf eine letzte Party 2016. Silvester!
Ready.
01.00-02.00 Uhr Leo Cubanero,
02.00-04.00 Uhr Tim Sucker b2b M.I.C.,
04.00-06.00 Uhr Audiosex,
06.00-08.00 Uhr Audio is guilty,
08.00-10.00 Uhr Marcel Cluso,
10.00-12.00 Uhr Simou Bedot,
12.00-14.00 Uhr Charles Tone,
14.00-16.00 Uhr Frank Bosse,
16.00-18.00 Uhr Funkenstroem,
18.00-20.00 Uhr Klick,
20.00-22.00 Uhr OMX.
After Hour: Esta & Kai.
Eintritt: Spende.“

http://stressfaktor.squat.net/termine.php
http://stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=31122016
(zur Location, alte FB page: https://de-de.facebook.com/pages/Hangar-Friedrichshain/155059757850306 (nicht mehr aktuell))

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…the future is cancelled…

Soli benefit in january in Köpi – NoMuos | NoBorders

28. january 2017
benefit performance
open debate with local activists
in the rooms of köpi 137 bln
with afterparty in köpi teknocellar

supporting acts:
* les enfants sages (live)
* les boucles etrages (live)
* base force one (live)
* aekre lehu (live)
* darkam (live)
* grindmasterflesh (live)
* chantal
* ari nev

soliparty

benefit for the activists associations which are fighting for the freedom of movement of migrants in ventimiglia
- no borders -
and lampedusa
- associazione askavusa -
for the dismantling of the muos station in sicily which provokes death and health danger […]
the muos station controls most of the military communications […] in the key scenario of the mediterranean area.
we are solidal to the fight of local activists fighting for their right to live in a territory free from militarisation, border control and racism against migrants.
during the last year many of the activists of the no muos and no border movement had to face repression. in terms of court appeals and high legal costs.
we do not want to collect only money but also awareness here in berlin inviting the activists of the two movements in köpi.
there will be the chance for an open debate workshop where information may be shared by each other on how the wave of repression may be faced in the heart of the capitalistic centre fortress eu europe, as well as its so called borders.

check the blogs below for more infos and updates maybe coming soon:
www; concretecosmos.wordpress.com , grundfrequenz.tumblr.com , nomous.info .

https://concretecosmos.wordpress.com/2017/01/06/no-borders-no-muos-benefit/

(https://m.facebook.com/Concrete-Cosmos-667053766693068/)

28.01.2017 Soliparty @ Köpi

Teknosoli @ Köpikeller

mtbas

Doku cinema movie Doni Doni

„Doni Doni“, 54 min. Regie von Chiara Morcelli und Andrea Rovelli (2012).

Der Dokumentarfilm „Doni Doni“ ist die Ausgabe der internationalen
Zusammenarbeit von NOMADS in Guinea. NOMADS möchte in B-Lage eine Nacht
mit der Filmvorführung veranstalten und über ihr nächstes Projekt in
Guinea im Jahr 2017 informieren.

Guinea Conakry, Westafrika:
In Koumana Dorf lernen Bangali, Moussa, Dati und Omori Camara die
traditionelle Musik der Hamanah, der Starken Männer, von Meister
Nankhoria Amadou Keita. Schritt für Schritt lernen sie die Geheimnisse
der Hamanah-Tradition. Yakhouba Dabo, ein junger Percussionist von
Conakry, erreicht Koumana während seiner Reise auf der Suche nach
traditionellen Rhythmen und er trifft die 4 Kinder. Ihr Schicksal ist
das Kreuz zwischen Dorf und Stadt, in dem Tradition und Moderne
zusammenleben.
Im Original Ton mit Deutsche Untertiteln.

Nomads Guineè unterstutz seit 2012 mehrere Soziale Projekte in
Westafrika, NOMADS ist ein Sammelbegriff, der verschiedene Projekte in
Bezug auf die jeweilige Situation der Länder umfasst, in denen wir
arbeiten. Innerlich vereinbaren wir Ziele, Prinzipien und Praktiken mit
einer vollständigen Entscheidungsautonomie jedes einzelnen Projektes auf
der Grundlage eines gegenseitigen Vertrauens und einer regelmäßigen
Konfrontation und Diskussion.
Das erste Nomads-Projekt in Conakry wurde von Februar bis Mitte April
2012 in Zusammenarbeit mit der lokalen NGO als „Notre Monde“ und „Tina
Fan“ durchgeführt.

Die ersten Arbeiten im audiovisuellen und kino-Bereich, die zweite eine
selbstverwaltete Zirkusschule für Kinder mit sozialer Benachteiligung
und Obdachlosigkeit und bietet Räume für einen Alphabetisierungskurs und
für die Aktivitäten von Notre Monde.
Die Zusammenarbeit mit diesen beiden NGOs begann mit unserem Vorschlag,
einen Workshop über Video, Audio und Basic Editing Workshop zu
organisieren.

Ziel des Workshops war es, einer Gruppe junger Menschen die Werkzeuge
zur Verfügung zu stellen, um ihren eigenen Standpunkt in einer Realität
zu erzählen, in der sie sehr wenige Aussichten haben, sich auszudrücken.

Die 15 Jungen / Mädchen, die den Kurs besucht haben, kamen aus armen
Vierteln mit hohem Verbrechen und wurden von den Mitgliedern von Notre
Monde ausgewählt.

Hinter dem Projekt steht die starke Überzeugung, dass das Kino Bildungs-
und Emanzipationszwecke hat.
Dieses Projekt wird durch die Vereinigung mit Schwierigkeiten wegen des
Mangels an Ressourcen durchgeführt.
Wir möchten in der Lage sein, das Ambulant Cinema zusammen mit den
Notre-Monde-Ausgängen zu unterstützen und festzustellen, welche
Bedürfnisse und Ressourcen notwendig sind, um die Kontinuität des
Projekts zu gewährleisten.
Da eines der drängendsten Probleme in Conakry das Fehlen einer
Stromversorgung ist, versuchen wir, über die Möglichkeiten alternativer
und nachhaltiger Energie zu informieren, unabhängig vom öffentlichen
Dienst zu sein.

19.12.16 ab 20.00 Uhr in B-Lage, Mareschstr.1, Berlin Rixdorf(S Neukoelln)

http://nomads.indivia.net/
http://www.b-lage.de/
http://nomads.indivia.net/en/guinea/

Together against right-wing agitation and violence

Demo 16. december 2016
8pm
Berlin Neukölln Hermannplatz

Fascists, fuck off!

Together against right-wing agitation and violence!

On the night between the 11th and 12th of November there were at least three assaults by fascists in Neukolln: an arson attack against the left-wing café collective k-fetisch; an attack with stones against the Leporello bookstore, which hosted a meeting against the Afd 10 days ago; an attack with stones and spray-paint against the apartment of a left-wing activist.

At least in the case of the arson attack on k-fetisch, the perpetrators were willing to risk endangering human lives as the café is located on the ground floor of a fully occupied residential house.

These attacks are not the first and they will not be the last: the facebook page of the Nazi group „Freie Kräfte Neukölln“ ([they call themselves] Free Forces Neukolln) recently published two graphs, one with left-wing locations and another with shelters for refugees, to be treated as potential targets.

Encouraged by the right-wing agitation in Germany and growing nationalism in Europe, unhindered by the authorities and using the experience of 100 arson attacks against refugee shelters in the last two years, the Nazis are on the offensive. This facilitates a social atmosphere in which people who do not fit into a reactionary worldview are increasingly exposed to open attacks.

We will not leave this unanswered – our solidarity should stand against their agitation.

Fascists, fuck off!

Come to the demonstration on Friday the 16th of December, 18.00 at
Hermannplatz.“

[--- german below ---]

„Gemeinsam gegen rechte Hetze & Gewalt

Freitag 16.12. / 18 Uhr / Hermannplatz

Das k-fetisch ruft nach dem Angriff auf das Kollektivkaffee und weiteren rechten Anschlägen in Neukölln zu einer Demonstration für den kommenden Freitag auf, die wir gerne unterstützen. Hier der Aufruf des k-fetisch:

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember gab es Neukölln mindestens drei Angriffe von faschist*innen: Auf das linke Kollektivkaffee k-fetisch wurde ein Brandanschlag verübt; der Buchladen Leporello, in dem 10 Tage zuvor eine AfD-kritische Veranstaltung stattfand, wurde mit Pflastersteinen attackiert; die Privatwohnung eines linken Aktivisten wurde mit Steinen und Farbe angegriffen.

Zumindest beim Brandanschlag auf das k-fetisch nahmen die Täter*innen die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf, da sich das k-fetisch in einem voll besetztem Wohnhaus befindet. Diese Angriffe sind nicht die Ersten und werden nicht die Letzten gewesen sein: auf der Facebook-Seite der [Neo]Nazi-Gruppe „Freie Kräfte Neukölln“ wurde eine Grafik mit linken Orten und eine weitere Grafik mit Geflüchteten-Unterkünften veröffentlicht, die als mögliche Anschlagsziele in Frage kommensollen.

Ermutigt durch die rechte Hetze in Deutschland und den erstarkenden Nationalismus in Europa, ungehindert durch die Behörden und mit der Erfahrung von über 100 Brandanschlägen auf Geflüchteten-Unterkünfte in den letzten zwei Jahren, sehen sich die Nazis in der Offensive. Dies begünstigt ein gesellschaftliches Klima, in dem Menschen, die nicht ins
reaktionäre Weltbild passen, vermehrt Angriffen auf offener Straße ausgesetzt sind.

Das werden wir nicht unbeantwortet lassen – unsere Solidarität gegen [ihre] Hetze! Faschos verpisst euch!

Kommt zur Demo am Freitag den 16.12., 18 Uhr, Hermannplatz.“

Urheber*innen: K-Fetisch Berlin Neukölln (http://kfetisch.blogsport.de/)
Quelle: Aus dem Newsletter der Ini gegen rechts Bln Xberg/Xhain/Fhain (http://www.initiative-gegen-rechts.de/)

See also: https://linksunten.indymedia.org/en/node/199300

„Die angemeldete Demo-Route: Hermannplatz-Kottbusser Damm-Bürknerstr.-Friedelstr-Weserstr-Pannierstr-Sonnenallee-Fuldastr-Weserstr-Wildenbruchstr-Erkstr-Rathaus Neukölln
[…]“

https://linksunten.indymedia.org/en/comment/view/224623

http://stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=16122016

Greetz to tha neighbourhood

yaya23 cyberrise 10122016 at rozbrat poland

http://www.rozbrat.org/news-in-english

https://de.squat.net/tag/polen/

https://radar.squat.net/de/events/country/PL

About a decade of noise and politics

About „a decade of noise and politics

datacide magazine issues 1-10″

Everything Else is Even More Ridiculous – Introduction by Christoph Fringeli

What strikes me when I look back at the first issue of datacide is that there is no editorial, no statement of intent — something remarkable for a new marginal publication launching itself.

Instead, the zine jumps right in with a reprinted update on the then proposed new police bill. This is followed by news items about a record company trying to copyright the term ‘Teknival’. We perceived these events as a two-pronged assault by the state and by commerce on what we saw as an emerging underground movement connected to hard electronic dance music. Indeed the following news about ‘new networks of distribution and communication’ were trying to counteract this with the optimistic proposal of a mode of autonomous organisation that would function in an ‘entirely decentralized manner that allows the specific identity of its “members” maximum freedom, a rhizome-like structure that is invisible and everywhere at the same time’. This is then illustrated with news about current activities of record labels and soundsystem crews, reviews of parties and interspersed with some experimental fiction pieces. The mixture of artist interviews, record reviews, technology critique, counter-cultural angles as well as programmatic texts set the tone for the following issues. In datacide one it was left to the London Psychogeographical Association to make an explicit call for communism, while it was Flint Michigan who provided a programmatic text titled BREAK/FLOW versus DATACIDE.

Due to the political climate at the time the first issue went to print, datacide didn’t need explanations or an explicit statement of intent to be understood by its audience.

Squatters and travellers had long been on the fringes of society, but the 1994 Criminal Justice Act (CJA) and the struggles against it in 1993-95 had also radicalized a whole generation of ravers, so the political thrust of the magazine was ‘in the air’. The magazine also provided enough music coverage to be interesting for anyone interested in the electronic underground of the day.

It also didn’t come out of nowhere. There had been a pre-cursor in the form of Alien Underground, two issues of which had appeared in 1994 and 1995.

Praxis, the record label associated with datacide, had also been publishing a newsletter since 1994, initially to provide additional content and context to the record releases and the events that took place in the 121 Centre in Brixton, called Dead by Dawn, in that period.

Dead by Dawn was a monthly night put on by TechNet, the Nomex Realist Film Unit and Praxis and combined talks about (counter-) cultural and (anti-) political issues with hardcore party music being played all night in the basement and a “shrill-out lounge” in the upstairs area.

It was there that a lot of the issues that would later be elaborated on in datacide were raised. But not only in datacide — there were numerous zines – Autotoxicity, Break/Flow, Communist Headache, Demag, Fatuous Times, TechNet, Underground and many more – and there were numerous projects and groups such as the Association of Autonomous Astronauts, London Psychogeographical Association, Luther Blissett Project, Neoist Alliance, etc., as well as the more musically adventurous and radical fringes of the Free Party scene, namely sound systems such as Hekate, KDU and others.

And this is only mentioning the activities based on the British Isles! Contacts were made that would soon mushroom into an obscure network of counter-cultural bandits, lumpen intellectuals, noise merchants and revolutionaries spanning many countries.

In any case, when the first issue of datacide appeared in the spring of 1997 it was well received and the print run of 1,000 copies was distributed mostly through unconventional channels, like sales at parties and trades with record labels.

The enthusiasm of the production team ensured that the new zine came out three times in its first year.

The first issues were produced at 94 Aberfeldy House off Camberwell New Road where I lived at the time, a place that for an intense two years became a hub of activities. Aberfeldy House had fantastic flats spread over 3 floors and was at the time council owned and cheap. Originally built as social housing in the early 60s, kids were playing in the hallways, the lifts were sometimes scummy, and it was possible to play loud music around the clock without anyone complaining. By now the demographic must have changed completely as the flats (valued 60k at the time) are now being sold for nearly 400k.

Unfortunately, I had to move out towards the end of 1998 and a period of uncertainties and short term accommodations began, which naturally didn’t help the efficiency of the publishing and label activities.

Trying to squat again proved to be a lot more difficult than when I had first moved to London at the beginning of the decade. Only a mouse-infested little house in Deptford lasted for at least several months, rather than weeks.

In spring 1999, my father died and as a consequence I spent more time in Switzerland. A modest inheritance enabled me to release a number of records, some of which had been overdue because of the bad economic situation I had found myself in. It also helped to release two issues of datacide in 1999, numbers 5 and 6, despite essentially being homeless at least some of the time in London.
When returning from Switzerland in the summer, I moved into a squat in Stuart Road, Peckham which seemed to have the potential to be of a more permanent nature. In this duplex with a generous garden with apple trees about half of the dozen squatters were contributors to datacide.
However, the squat was subject to a number of attacks which culminated in being firebombed at the beginning of September (my memory: Sept. 8, 1999). We decided to fortify the building with barbed wire, motion sensors and floodlights. There were no more attacks henceforth, but eviction proceedings were put in motion and we lost the squat a few weeks later, which was presumably exactly what the attackers had intended.

For the months to come I lived on friends’ sofas and at one point slept on top of office tables a floor up from Backspace, the activist internet café down by the Thames by London Bridge.

Despite the fact that we had failed to prevent the Criminal Justice Bill from becoming law in 1994/5 – let alone make the revolution – there was a defiant optimism in the possibilities of subverting or even confronting the system. This was a widespread sentiment at the time. The hangover from this lost battle dissipated and new forms of action emerged, involving street occupations with the integral involvement of sound systems.

The Reclaim The Streets (RTS) protests starting in 1996 were thus logical extensions of the anti-CJA demonstrations. Coming from the anti-road protests, it was a significant development when common cause was made with the Liverpool dockers in the anti-election rally Never Mind the Ballots! in 1997. The peak was the multifaceted and multi-pronged Carnival Against Capitalism on June 18, 1999. The two following actions in London – November 30 (to coincide with the anti-WTO protests in Seattle) and Guerrilla Gardening in Parliament Square on the first of May, 2000 – were already a lot more contained. After the spectacular success of June 18, the authorities had promised a war of attrition and tougher policing. It has since then also emerged that undercover police had infiltrated many of the activist movements, including RTS.

This is not the place to analyse the development of this movement, but it has to be mentioned that these were important corner dates of the period in which the first datacides appeared.

Far from being an ‘activist’ paper per se, datacide has also been a chronicle of developments in music – including extensive record review sections and DJ-charts. In addition to this, the open format served as a platform for authors to go off on exploratory trips in different directions – be it experimental fiction, essays on film, or anything else.

In 2000, the decision was made to move to Berlin. It was relatively easy to find an affordable flat and I started to re-organise operations. For datacide this had a number of consequences which I didn’t forsee at the time.

This was not yet evident in issue 7, which came out in the summer/autumn of 2000 and which continued more or less seamlessly from the previous issues. It was in the wake of this issue, however, that the distance from the scene that previously carried datacide could really be felt.
It took two years until issue 8 finally came out.

In an attempt to set datacide on a more healthy financial footing, I concocted what I thought would surely be an offer no one could refuse: inviting a number of musician friends to contribute tracks to a CD which would be exclusive to subscribers of datacide. Surely all the people on the c8 site and many beyond that would happily spend 10 pounds on a deal where they would receive an exclusive CD and three issues of an amazing zine, right!? The tracks kept pouring in, the artists were enthusiastic and generous. The list printed in the editorial of datacide 8 included: Blackmass-plastics, DJ Controlled Weirdness, Crisis Theory, Fanny, Istari Lasterfahrer, Kovert, Lost in Trans-lation, Nomex, Raquel de Grimstone, Saoulaterre, Seethe, Slepcy, Society Suckers, Typhoid & the Reverend, Blackjewishgays, Base Force One, DJ Balli, Anna Bolena, and a Thunderinas remix by Hecate, and Venetian Snares & Fanny! The first 50 were going to be double CDs, after that there would be a single CD edition until May 2003, and in the process – I thought – the funds for printing a 9th issue in 2003 would come together.
And what happened? Nothing. The response was so poor that it would have been more expensive to make copies for the artists and send one to everybody than what came in. If I remember correctly, there were 10 or 12 subscriptions or renewals. It was extremely discouraging, and, partly as a consequence of this disaster, it would take well over three years for the next issue to come out.

Another reason for the long break however was connected to the shifts in the political scene. It seems to me there were a number of changes in the period of 2001-2003, all to the negative.
The first inspiring wave of “anti-Globalisation” movements was over, the street parties in London were stopped. Even from its beginnings, the “anti-Globalisation” movement was marred by both its reformist and its national-revolutionary/anti-imperialist wings. With 9/11 and the “second intifada” and a couple of years later the “anti-War” movement, the negative aspects became more pronounced — with conspiracy theories, anti-semitism, cultural relativism and the “anti-imperialist” defense of authoritarian regimes becoming prevalent and pushing aside the emancipatory and revolutionary aspects we had seen – or wanted to see – gathering strength in the previous decade.

The third factor was that there were changes in the underground music scene. The ‘sub-net’ type distribution networks started receding, record sales were starting to decline. Simultaneously there was a ‘professionalisation’ – or a regression to more traditional marketing by the labels, depending how you want to see it.

We also found ourselves in the situation where data-cide was soon enough the only one of the zines left that had provided a ferment of the scene in the 90s. The discourse shifted increasingly online, but got also increasingly diluted. For whatever reasons the mental militancy that had characterised much of the 90s underground seemed to dissipate. This seemed in stark contrast to an ever worsening crisis of the economic system, including its superstructure.

Working more or less in isolation, it took a hell of a long time to produce issue number nine. It finally was released at a point where another re-location was about to happen, from Basel back to Berlin. At this point, I felt my own involvement with radical publishing had to be redefined and it was announced in datacide nine that another issue would be produced which would wrap up the datacide project with a last bumper issue dedicated to the historification of this counter culture, moving ‘into the past and the future at the same time’.

Finally, in 2008, this issue came out and coincided with a conference and a party in Berlin. Rather than wrapping it up, this helped re-energise the project. Talks by Hans-Christian Psaar, Lauren Graber, Alexis Wolton, Neil Transpontine, John Eden, Stewart Home and myself were followed by DJ- and live-sets by Line Destruction, Circuit Parallele, DJ Controlled Weirdness, Blackmass Plastics, The Wirebug, Kovert and El Gusano Rojo. This combination guaranteed powerful content, but some of the circumstances were extremely chaotic. The venue where the event was going to take place had been shut down only two weeks before, so a short term replacement had to be (and was) found. The deadline was too close and hectic and many mistakes snuck into this issue.

Despite these difficulties and the fact that the following year was overshadowed by personal tragedy, the whirlwind created by datacide ten substantially contributed to the re-emergence of datacide as the publication it is now. A publication flying the flag of antagonism, still seeing potential in counter-cultural developments, with the intention of contributing to a radical critique of contemporary society and culture and also chronicling the autonomous movements at odds with the forces of recuperation.

Over the last years we had many discussions about self-historification, self-theorisation, and documenting what the interesting aspects of some of our history and past struggles were. One idea was to compile an anthology of articles of past issues of datacide and other publications. It soon became clear, however, that the ‘spirit’ of the early datacides would get lost if the different levels of content would be separated and that it would make much more sense to go for a reprint that would preserve the proximity of the ephemeral and the philosophical, the musical and the political. Only like this would it create a hopefully inspiring insight into some of these counter-cultural and anti-political goings on…

It is particularly important to understand that this is not about nostalgia, or clinging to achievements of the past. On the contrary – while we think that nostalgia can be a poison, we also know that only by being aware of the triumphs and tragedies of the past can we dialectically overcome the deadlock of the present and move into the direction of a future human community.

Under all these aspects it seems ridiculous to talk about revolution, but in one way or another this is what datacide does. ‘But everything else is even more ridiculous’, as a certain group of communists/artists wrote in 1961. (see page 138 of this book).“

http://datacide-magazine.com/everything-else-is-even-more-ridiculous-introduction-by-christoph-fringeli/#more-4326

www.datacide-magazine.com

Fragmentarisches über Kulturindustrie und die ständige Aktualität dialektischer Kritik

Un-Möglichkeiten

Fragmentarisches über Kulturindustrie und die [ständige] Aktualität dialektischer Kritik

Der universitären Philosophie ist die Analyse der Kulturindustrie bei Adorno ein Anathema – es lässt sich kein Geheimnis zaubern aus der offenherzigen Kritik, keine kryptische Sprache daran entwerfen, die beweisen könnte, dass der Sachverständige nicht umsonst Jahr und Tag am Schreibtisch gebuckelt hat. Einen klar und deutlich schreibenden Adorno kann niemand gebrauchen, der Übersetzerarbeit und den Kultus des Genies zum Beruf hat.

Wer sich diesem Nichtinteresse für die kritische Theorie der Kulturindustrie verweigert, wird in die Untiefen der zahlreichen Essays und Fragmente geführt, die Adorno vorlegte. Gerne wurde dieser Teil der Kritischen Theorie zum vernachlässigbaren Abschnitt degradiert und für überholt, flach, zu tief oder überreizt erklärt. Adorno hatte nachweislich weder Punkrock noch Dubstep bezeugen können – und unter der heraufziehenden McCarthy-Ära, in der er in den USA Radio- und Propagandastudien vornahm, war sicherlich keine Vorahnung auf The Simpsons, Southpark oder Facebook möglich. Kritische Theorie aber wollte, trotz allem Verweis auf Zeitkerne, zugleich eine elastische Theorie der Gesellschaft sein und über die geschichtswissenschaftliche Betrachtung einer Epoche oder deren Interpretation hinausgehen. Die Arbeiten zur Kulturindustrie sollten nicht weniger leisten, als den Fetischcharakter der Kulturwaren dialektisch darzustellen

und so die Ideologiekritik Marx’ gründlich zu aktualisieren und zu erweitern. Die theoretische Schärfe, die sich in diesen zeigt, gepaart mit Adornos unstillbarer Neugier und Erfahrung haben ihn zu Einsichten geführt, die bis heute nicht an Gültigkeit verloren haben.

Die Komposition seiner Texte in dialektischen Schwingungen sperrt sich allerdings dem affirmativen Verweis, der instrumentellen Haltung zu einer Theorie. Hier Splitter herauszubrechen kann nur als ewiger Verweis auf die Lektüre der dichten, aber keineswegs kryptischen Texte Adornos selbst vollzogen werden. Es bietet sich am ehesten noch an, die geläufigsten Missverständnisse auszuräumen.

Ein beliebtes Vorurteil imaginiert Adorno als konservativen, verbiesterten Kulturkritiker. Dieses Schreckgespenst spukt in den Medienwissenschaften ebenso wie in der hedonistischen Linken herum. Und an diesem Missverständnis hat er selbst einen nicht geringen Anteil, ist in seinen Texten doch mancherorts zu lesen: »Fortschritt und Barbarei sind heute als Massenkultur so verfilzt, daß einzig barbarische Askese gegen diese und den Fortschritt der Mittel das Unbarbarische wieder herzustellen vermöchte. Kein Kunstwerk, kein Gedanke hat eine Chance zu überleben, dem nicht eine Absage an den falschen Reichtum und die erstklassige Produktion, an Farbenfilm und Fernsehen, an Millionärsmagazine und Toscanini innewohnte. Die älteren, nicht auf Massenproduktion berechneten Medien gewinnen neue Aktualität: die des Unerfaßten und der Improvisation. Sie allein könnten der Einheitsfront von Trust und Technik ausweichen.«

Wie sehr muss der in seiner Praxis gar nicht asketische Adorno allerdings über seinen zelebrierten Luddismus in ernstes Lachen geraten, wenn er wenige Zeilen später den Mimeograph (eine Matritzenmaschine) als puristischen Ersatz für das nicht mehr Buch seiende Buch empfiehlt.

Aus der gleichen Passage lässt sich auch ein optimistischer Ausblick lesen auf die in dieser simplen Negation sicher nicht praktikablen Möglichkeiten von Kunst. Der ernste, tiefe Kern bleibt: der Verweis auf eine zwischen Gedanken und Kunstwerk, Fortschritt und Barbarei sich aufspannende Totalität, für die Kulturindustrie nur ein anderes, wieder ironisch gemeintes Wort ist.

Es kann angesichts dieser stets mitgedachten Totalität bei der Analyse dessen, was Adorno Kulturindustrie nennt, sicher nicht um das »Nicht Mögen« oder »Kritisieren« einzelner ihrer Produkte – sei es Jazz, Farbfernsehen und Hollywood – gehen, sondern um das, was Adornos dialektischer Kritik zufolge in diesen Phänomenen aufs Ganze geht.

Musik

»Ewig grinsen die gleichen Babies aus den Magazinen, ewig stampft die Jazzmaschine.« (Adorno/Horkheimer 1944).

Jazz – ein Stil, den Adorno exemplarisch für die neue Musik nahm – bedeutet für ihn nicht die Kränkung eines relativ erfolglosen bildungsbürgerlichen Komponisten durch scheinbar primitive, exotische Musik, deren Erfolg er nicht versteht. Nicht wegen seiner angeblichen Nichtintegration in Kultur ist Jazz Adorno suspekt, sondern gerade weil er im Schein einer wilden Improvisation straff reglementiert ist. Jazzkritik ist für seine Analyse der Kulturindustrie unverzichtbar, sie ist Ausgangspunkt und Exempel zugleich, um eine alle Musiksparten betreffende »Regression des Hörens«
zu beschreiben. »In Europa, wo der Jazz noch nicht zur alltäglichen Einrichtung wurde, neigen zumal jene Gläubigen, die ihn weltanschaulich betreiben, dazu, ihn als Durchbruch ursprünglicher und ungebändigter Natur, als Triumph über die musealen Kulturgüter mißzuverstehen. So wenig aber Zweifel an den afrikanischen Elementen des Jazz sein kann, so wenig auch daran, daß alles Ungebärdige in ihm von Anfang an in ein striktes Schema eingepaßt war und daß dem Gestus der Rebellion die Bereitschaft zu blindem Parieren derart sich gesellte und immer noch gesellt«.

An den traditionellen afrikanischen Tänzen und Rhythmen lässt sich die Kritik Adornos am Jazz vertiefen. Den hippiesken wie auch den rassistisch-regressiven Verzeichnungen Afrikas erscheinen die Rhythmen und Tänze als unreglementierte Erfahrung. Der afrikanische Tanz aber ist in all seiner Synkopenhaftigkeit militärisch durchorganisiert, die Choreographie der Tanzenden entspricht mehr noch als im Ballett einem fixen Symbolismus, von dem aus sakralen und zumeist autoritären Gründen nicht abgewichen werden darf. Die Trommler haben ihre festen Vorgaben, sie sind in rituellen Zirkeln organisiert. Die Working Songs der afrikanischen Fischer und Farmer hingegen folgen einer eigenen Dialektik. Machen sie das unausweichliche Leiden der harten Arbeit in primitiven Produktionsbedingungen erträglicher und zum halben Vergnügen, verweist dieser Zweck schon auf den totalen der kulturindustriellen Musikproduktion: Die After-Work-Party ist recht eigentlich die Pre-Work-Party wie Musik jeglicher Couleur heute zur Einkaufsmusik taugt, für die entsprechenden Zwecke selektiert und präsentiert. So haben die angedrehten jazzigen Pausenjingles trotz aller Ernsthaftigkeit im Jazzsektor bei Stefan Raab wie beim Deutschlandfunk die gleiche ekelhafte Funktion, das Verbreiten von schleimiger Schmissigkeit. Diesen zum 4-Sekunden-Orchester gedemütigten Tuschbläsern gegenüber erscheint selbst Florian Silbereisen noch wie ein freier Musiker.

Mit seiner Kritik am Jazz will Adorno nicht Scham darüber erzeugen, dass man auch und gerade als musikalisch gebildeter Mensch beim Hören eines Musikstücks unwillkürlich im Takt zu wippen beginnt, sondern ein Bewusstsein wecken, wie das Abstellen auf diesen Effekt das Stück zu einer Ansammlung von Effekten macht. Solche Ansammlungen entbehren synthetischen Sinn. Synthetik aber ist geschichtlich – sie lässt sich nicht durch das Konservieren oder immer neue Aufbereiten von klassischen Stücken wiederbeleben.
So bleibt Adornos Kritik der Kulturindustrie nicht auf die so genannte Unterhaltungsmusik beschränkt. Sie trifft noch die ernste Musik selbst. »Die Unterschiede in der Rezeption der offiziellen ›klassischen‹ und der leichten Musik haben keine reale Bedeutung mehr. Sie werden einzig noch aus Gründen der Absatzfähigkeit manipuliert. Dem Schlagerenthusiasten muß ebenso versichert werden, daß seine Idole nicht zu hoch für ihn seien, wie dem Besucher der Philharmoniker sein Niveau bestätigt. Je geflissentlicher der Betrieb Drahtzäune zwischen den musikalischen Provinzen errichtet, um so größer ist der Verdacht, daß ohne diese die Bewohner nur allzu leicht sich verständigen könnten.«

Das muss auch und besonders für jene geschmäcklerische und mitunter volkstümelnde linke Musik zwischen sado-masochistischen Punk, konformistisch revoltierender YOK-Quetschenpaua, dem schmeichelnden Manu Chao und dem martialischen Elektropop der antideutschen Avantgarde gelten. Alles lässt sich einigermaßen betrunken oder alert betanzen, zur Belohnung für die Eintrittskarte hört man seine eigene Meinung. Einer unwahren Legende zufolge soll klassische Musik in Kühen die Milchproduktion anregen und Kinder intelligenter machen. Nichts weniger ist die erklärte Absicht linksalternativer und antideutscher Musik.

Selbst wo avantgardistisches Musikschaffen sich um Ernsthaftigkeit bemüht, gilt: »Konsumfähige Kunstmusik hat mit dem Preis ihrer Konsistenz zu zahlen, und die Fehler, die sie enthält, sind nicht ›artistische‹, sondern in jedem falschgesetzten oder rückständigen Akkord spricht sich die Rückständigkeit derer aus, deren Nachfrage man sich anpasst. Technisch konsequente, stimmige und von den Elementen des schlechten Scheins gereinigte Massenmusik aber schlüge in Kunstmusik um: sie verlöre sogleich die Massenbasis. Alle Versöhnungsversuche, sei es kollektivgläubiger Kunsterzieher, sind fruchtlos. Sie haben nicht mehr zustande gebracht als entweder Kunstgewerbe oder jene Art von Erzeugnissen, denen eine Gebrauchsanweisung oder ein sozialer Text beigegeben werden muß, damit man über ihre tieferen Hintergründe sich rechtzeitig informiere.«

Nimmt man Adorno beim Wort, bleibt wenig Hoffnung auf eine musikalische Revolution, die einen solchen Namen verdiente. Die Massen haben sich ohnehin entschieden. Sie stehen seit Jahrzehnten fest hinter den Typologien der Stars. Die sexuell verfrorenen Jugendlichen versammeln sich hinter ihnen in der zuallermeist trügerischen Hoffnung, dass Tanz, Alkohol, ein solides Feindbild und andere hemmungslindernde Stimuli etwas verschwitzt Orgiastisches hervorbringen könnten. Das Versprechen der in den freien Staaten weitgehend vollendeten Liberalisierung des Sexus wird heute aber eher verhöhnt als vorangetrieben im falschen Zauber von pseudoerotischen Exerzierchoreographien der Britneys, Beyonces und Rihannas.

»Tanz und Musik bilden Stadien der sexuellen Erregung nach, bloß um sie zu verspotten.«
Das ist aber nur Teil eines dialektischen Verhältnisses von Musik und Trieb. So sehr die musikalischen Bühnen-Veranstaltungen bei Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Elvis Presley von äußerster Verklemmtheit zeugen, so haben sie doch erheblich eine gesellschaftliche Tendenz zur Liberalisierung des Sexus wenn nicht beschleunigt so doch mitgetragen. Nur dionysisch und frei waren und sind sie nicht..

Einer Musik, die tatsächlich »radikal« wäre, müsste es nach Adorno gelingen »der Erfahrung des regressiven Hörens bewußt standzuhalten«.

Und doch deutet Adorno zugleich auch eine leise Möglichkeit an, dass sich aus dem regressiven Hören selbst etwas entwickeln könnte:

»Einmal mag selbst den patenten Kerlen ihre bessere Stunde schlagen, die eher das prompte Schalten mit schon vorgegebenen Materialien, die improvisatorische Versetzung der Dinge verlangt, als jene Art von radikalem Beginnen, das nur im Schutz der unerschütterten Dingwelt gedeiht; selbst Disziplin kann den Ausdruck freier Solidarität übernehmen, wenn Freiheit zu ihrem Inhalt wird. So wenig das regressive Hören ein Symptom des Fortschritts im Bewußtsein der Freiheit ist, so jäh vermöchte es umzuspringen, wenn jemals Kunst in eins mit der Gesellschaft die Bahn des immer Gleichen verließe.«

Film

»Hast du die letzen amerikanischen Filme gesehen? Wir sind erstaunt und begeistert über diese merkwürdig neue Entwicklung. ›Freitag Abend um Acht‹ und ›Der tanzende Traum‹. Es wäre sehr viel darüber zu sagen. Es könnte beinahe scheinen, als ob der Film sich doch noch zur Kunst bekehren wolle.« (Gretel Adorno an Walter Benjamin)

Dem Film wohnt eine andere, revolutionäre wie regressive Spezifik inne als der Musik. Adornos Respekt vor dem Medium Film wird ergänzt von der Enttäuschung über die manipulative Funktion, zu der er in Gänze geronnen ist. Über diese Dialektik gibt das Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklärung Auskunft.

Ungültig und manchmal gelogen ist der Vorwurf bornierter Medienwissenschaftler, Adorno habe sich dem Thema nur theoretisch angenähert, ihm habe es an Einsicht gemangelt, er habe die »subversiven« Möglichkeiten von modernen Medien nicht absehen können. Schwer scheint es zu fallen, sich den hohen Theoretiker im Kino vorzustellen. Adorno ging nicht nur ins Kino, er kam in Beverly Hills mit der Filmwelt auf eine regelrecht ethnographische Weise in Kontakt. Die Bedeutung, die empirische Berührungen mit modernen Medien für Adornos kritische Theorie hatten, veranlasste Claussen das Verhältnis der kritischen Theoretiker zur Kulturindustrie ins Zentrum seiner dahingehend sehr erhellenden Biographie Adorno. Ein letztes Genie zu rücken.

Die ideologiekritische Erfahrung der Kritischen Theorie, denn Erfahrung ist sie mehr als Methode oder Theorie, verleiht eine gewisse Sensibilität für jene Momente in Filmen oder Inszenierungen, in denen Freiheit auf das Ärgste verraten wird. Dies stets wieder im Rahmen einer unendlichen Analyse vor Augen zu führen läuft zwangsläufig darauf hinaus, den Menschen das Vergnügen daran zu verderben, sich das Vergnügen zu verderben. Aus der Kritik an der Monotonie des Ganzen erwächst ihr selbst leicht der Vorwurf der Monotonie, der unwahrer nicht sein könnte: Nie ist Adorno in einer Äquidistanz erstarrt, die alle Medieninhalte über einen Kamm schert und miesepetrig dagegen anstänkert. Ihm scheinen trotz einer skeptischen Grundhaltung in ganz unterschiedlichen historischen Situationen Möglichkeiten auf, subversive Elemente zu definieren. So etwa bei den Ursprüngen des Trickfilms: »Die Trickfilme waren einmal Exponenten der Phantasie gegen den Rationalismus. Sie ließen den durch ihre Technik elektrisierten Tieren und Dingen zugleich Gerechtigkeit widerfahren, indem sie den Verstümmelten ein zweites Leben liehen. Heute bestätigen sie bloß noch den Sieg der technologischen Vernunft über die Wahrheit.«

Weil er um die den Phänomenen innewohnende Dialektik wusste, stand er der von euphorischer Seite unterstellten Möglichkeit zur Subversivität von Medienproduktionen pessimistisch gegenüber. Der Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte scheint ihm recht zu geben. Selbst die gefeierte Erneuerung, die von amerikanischen Fernsehserien ausgeht, ist nur eine längst fällige Aktualisierung des Grundbestandes der Soap-Operas an die fortgeschrittene Bildung des öffentlichen Bewusstseins. Das gilt auch für das derzeit revolutionärste Produkt, die Serie True Blood, die Abbildungen von Gewalt und Sex, und vor allem Homosexualität mit einer ätzenden Kritik an Kirche, Kleinbürgertum und Kneipensexismus vermengt. Bei genauerem Hinsehen wird aber auch diese Serie von denselben Regeln beherrscht wie jede andere Kulturware und von denselben Instanzen orchestriert. Unübersehbar ist eine christliche Attitüde, die den gesamten Text beherrscht. Das eigentliche Drama indes gestaltet sich um Sookie Stackhouse, die mit noch unbekannten übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet ist, aber auf die verwunderte Frage, was sie denn sei, stets antwortet: »I am a waitress!« Um diese Stange dreht sich dann auch das gesamte Hin und Her der zwischen Cliffhangern baumelnden Geschichten. Stets ist jemand mehr und interessanter als er scheint. Der liberale Subtext macht das Ganze einem Publikum schmackhaft, das eben nach der intellektuellen Arbeit etwas mehr möchte als idiotische Quizshows, Ordnungshüterdokutainment und Kriminalsendungen.

Und doch: Der intime Zusammenhang zwischen Arbeit und Kulturindustrie erscheint manchen als Vorteil, um den mental Ausgeknockten durch besonders fortschrittliche Produktionen etwas von jenem Gegengift gegen die reaktionäre, sublimierende Tendenz einzuflößen, das auch Adorno der Kulturindustrie noch zugestand: »Vom Medium aus gesehen, würde sich die Aufgabe so stellen: Inhalte zu finden, Sendungen zu machen, die selber ihrem eigenen Gehalt nach diesem Medium angemessen sind, anstatt daß sie irgendwoher von außen übernommen werden.«
Dieser pragmatische Adorno sieht in der Spartenbildung, der strikten Organisation von Sendungen nach ihrem intellektuellen Gehalt ein Manipulationsinstrument, das praktisch aufzuheben wäre durch das Mittel des »Schocks«.

Das Problem ist, dass dieser Schock selbst bereits zum berechenbaren Effekt geworden ist.

Kulturindustrie bleibt ein Organ der Selektion, das Gesellschaft organisiert bis in die hintersten Winkel, und dies wird durch den globalen Durchschlag der so genannten »neuen Medien« eher verstärkt. Es gibt keinen Bereich, von dem Kulturindustrie abgetrennt ist oder sein will, und die Invasivität von Medien ins Privateste und Öffentlichste zugleich ist nur ein Symptom dessen. Nicht besonders heimlich haben sich die Politikerreden, der universitäre Betrieb, die Protestaktionen, auch und gerade die linke Kultur nach dem Prinzip der Kulturindustrie geformt. »Nicht nur richtet der Geist auf seine marktmäßige Verkäuflichkeit sich ein und reproduziert damit die gesellschaftlich vorwaltenden Kategorien. Sondern er ähnelt objektiv dem Bestehenden sich an, auch wo er subjektiv nicht zur Ware sich macht. Immer enger werden die Maschen des Ganzen nach dem Modell des Tauschaktes geknüpft.«

Der cineastische Betrieb ist in über hundert Jahren resistent gegen Reformierbarkeit geworden. Es gibt zweifellos bessere und sogar sehr gute, mitunter revolutionäre Filme, es gab sie immer schon. Die besten führen eine Nischenexistenz oder gerinnen zum Kult, die schlechten bleiben der Löwenanteil, auf dessen baldiges Schwinden keiner etwas setzen sollte.

Dieses Fragment abbrechend werden sämtliche Texte Adornos über Kulturindustrie zu einer im doppelten Sinne aktualisierenden Lektüre empfohlen.

FELIX RIEDEL

Der Autor ist Ethnologe, promoviert über Hexereivorstellungen im ghanaischen Film und schreibt regelmäßig Filmanalysen auf seinem Blog http://nichtidentisches.wordpress.com.
Fußnoten

Theodor W. Adorno/ Max Horkheimer, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a. M. 1969 (1944), 170; Theodor W. Adorno, Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt, Göttingen 1956, 21.
Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt a. M. 2001 (1951), 81.
Ebd, 82.
Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung, 157.
Adorno, Dissonanzen, 20.
Theodor W. Adorno, Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft, München 1963, 119.
Adorno, Dissonanzen, 12, 14.
Ebd., 16.
Ebd., 42.
Ebd., 36.
Ebd., 9.
Ebd., 44.
Ebd., 44.
Christoph Gödde/ Henri Lonitz, Gretel Adorno, Walter Benjamin – Briefwechsel. Frankfurt a. M. 2005.
Detlev Claussen, Theodor W. Adorno. Ein letztes Genie, Frankfurt a. M. 2003.
Adorno/Horkheimer, Dialektik der Aufklärung, 146.
Adorno, Prismen, 68.
Ebd., 67.
Ebd., 9.

Aus: Phase Zwei (Phase 2) – Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 40 – Gegendruck, Rubrik Top Story

http://phase-zwei.org/hefte/artikel/un-moeglichkeiten-99/

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