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MBF ist und bleibt antagonistisch

MBF ist und bleibt antagonistisch

Laut der Polizei und Versammlungsbehörde hätten sich (Mit)Veranstalter*innen der Fete de la Musique 2018 mal wieder bei ihnen über uns, die – Musik Braucht Freiräume – MBF-Aktion/Versammlung/Demo, beschwert, weil sie nicht „damit“, sprich mit uns verwechselt werden wollten. Weil sie Angst hätten, daß eventuelle andere Beschwerden auf sie zurückfallen könnten und sich dann gegen „die Fete“ richten würden, die ja schon so frei und gut wäre, den Menschen doch soviel an Freiheiten bieten würde und was wir denn eigentlich noch wollen würden … . Hmm, mal überlegen, was noch? Da war doch was, den ganzen Kuchen, die ganze Bäckerei, alle Bäckereien, die Rührmaschinen, die Rohstoffe, ach ja, genau das wars, ist doch ganz einfach Leute:
„ALLES FÜR ALLE!“.

Im Wortlaut, hätten sie sich sogar explizit darüber beschwert, daß unsere Versammlung erlaubt und polizeilich angemeldet sei und wir diese dreisterweise, ortsnah zu einer offiziellen Veranstaltung der Fete durchführen würden. Es wäre angeblich sogar geprüft worden ob unsere, durch ein Grundrecht, nämlich das Versammlungsrecht geschützte, Kundgebung (die wir nun auch fast schon eine Mahnwache nennen könnten) nicht auch einfach hätte verboten werden können.

Wir könnten darüber nur noch lachen, wenn es nicht eh schon so traurig wäre. Doch davon lassen wir uns die politische Sache und den Spaß nicht nehmen. Dann doch erst recht!
Denn wir wissen, daß sich die Beschwerdeführer*innen und ihre beflissenen, im vorauseilenden Gehorsam handelnden, meistens weder mit unserer Aktion noch mit der eigentlichen politischen Sache beschäftigt haben und selbst bei ihrem eigenen Zeug meist nur die Hälfte von dem Verstehen, was sie da – dialektisch gesehen – eigentlich machen. D.h. nämlich z.B.: „Lohnarbeit und Kapital1“ etc. pp..

Wir waren tatsächlich auf einam alten ehem. Sportplatz, in der Rummelsburger Bucht am/Nähe Ostkreuz.
Daneben sind ein teures Neubauareal, eine neue Straße, ein reiches Wohngebiet, auf der Halbinsel und am ehem. Knast sowie der neue Bahnhof Ostkreuz und vorübergehend ein kleiner Club (die Rummelbucht), neben einem Schrauber*innen-Wagenplatz, an der Hauptstraße in Berlin Lichtenberg.
Btw.: Das Gelände neben dem Club war zeitweilig, vor ein paar Jahren mal kurz besetzt, als die Wagengruppe Rummelplatz ein neues Gelände suchte und damit politisch auf sich aufmerksam machte, doch ähnlich der allgemeinen „Berliner Linie“, die gegen alle Arten von „Besetzungen“ gerichtet ist und eine Räumung innerhalb von 24h vorsieht, war auch der Platz schnell wieder von der schnöden Bildfläche der Spießer*innen verschwunden.

Mit den direkten Nachbar*innen, dem Schrauber*innenplatz, Anwohner*innen an der alten Hauptstraße sowie Menschen in Zelten, auf dem Grundstück und Wasserbewohner*innen, Hausbootmenschen und Floßliebhaber*innen und Passant*innen, haben wir uns entgegen der sonstigen Unkenrufe sehr gut verstanden und hatten großen Spaß zusammen.

Die offizielle Fete de la Musique (FdlM) war in Berlin bis 2018 Teil einer sog. Nichtregierungsorganisation (NRO), einer teilweise freien, privaten Organisation, die z.T. ehrenamtlich, aber entgeldlich, auf Honorarbasis, für das Land, via Zuschüssen und allgemeiner den „guten Zweck“, gearbeitet hat.

Aus Lotterieeinahmen der „staatlichen Klassenlotterie“ und wurden und werden z.B. die horrenden GEMA-Gebühren finanziert.

Seit 2018 trägt nun der Kultursenat und sein Senator höchstselbst die Fete und ist damit Hauptausrichter geworden. Hauptstandort der Fete in Berlin war diesmal sogar Lichtenberg, wo wir auch ganz zufällig mit unserer Kundgebung – jedenfalls von der Standortlogik her gesehen – mit dabei waren. Denn das Gelände auf dem wir uns befanden grenzt unmittelbar an Friedrichshain-Kreuzberg an, wo wir sonst meistens waren (Friedrichshain). Obwohl sich der Wagenplatz Scheffelstraße z.B., von dem wir öfters gerne mit unserer Nachttanzdemo gestartet sind auch schon in Lichtenberg befindet.

Von offizieller Seite war und ist es schon immer so, daß stets versucht wurde und wird uns in den normalen Fetenbetrieb (das Spektakel (des Kapitals)) mit aufzunehmen, quasi „integrieren“ bzw. „assimilieren“ zu wollen. Anfragen, doch „vernünftig“ zu werden und uns zu „legalisieren“ oder uns doch „ordentlich“ also ordnungsamtlich und nicht polizeilich anzumelden gab es schon viele. Nicht zuletzt bei einem internen Diskussionstreffen mit den ehemaligen/vormaligen Veranstalter*innen und Organisator*innen der offiziellen Fete.
Dann wäre jedoch der Charakter unserer Veranstaltung ganz grundsätzlich ein anderer bzw. unser Prinzip ginge verloren und ohne das gibt es nunmal kein MBF. Basta!

Gegenüber unserer radikalen Kritik und dem Protest, z.B. gegen die GEMA, wurde und wird meistens nur Unverständnis, von Seiten der öffentlichen Veranstaltenden der Fete geäußert. Von Inklusion oder Umdenken also keine Spur. Das alles gibt uns nur mehr Gründe genau das zu machen was wir machen. Denn nicht umsonst sind wir solidarisch mit mindestens einem Teil von alternativer Szene und linker Subkultur verbunden und verbinden unsere Aktionen stets politisch mit mehr als „nur“ Musik, wobei Musik für uns einer der wichtigsten, künstlerischen, Ausdrücke all dessen was Menschen bewegt überhaupt – Kultur, seit Beginn der Menschheit – ist.

Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Mensch Meier, vor ein paar Jahren, stand sogar schon offen zur Debatte, ob nicht in Zukunft Freepartys und Teknivals „angemeldet“ werden sollten, weil Städte wie Leipzig und Dresden sowas mittlerweile auf/für, zugewiesene/n Flächen, anbieten würden. Noch mehr Zurichtung nennen wir das. So ein falsches Spiel spielen wir nicht mit.

Das sachwalterische und den sachzwängen unterworfene Verhältnis jedoch, der normalen, bürgerlichen Festorganisation in Berlin, das Anbiedern der Helfershelfer*innen an den Staat- und die Gesellschaft des Kapitals und seines Spektakels lässt kein (wirklich) freies Denken und Handeln, keinen freien Kunst- und Musikbegriff zu.

Denn es ist der ihm innewohnenden, systemimmanenten, sich mit den Widersprüchen (Antagonismen) selbst nicht auseinandersetzende Starre, der einzementierten Strukturen geschuldet, daß diese weder hinterfragt noch gar kurzzeitig – temporär2 zumindest, wie wir es tun – aufgebrochen werden.

Deswegen freut es uns sehr, daß bei unserer Kundgebung, nicht nur gute, freie Musik gemacht und gespielt werden konnte und alle Leute sehr viel Spaß hatten, sondern ganz besonders, daß ein paar sehr nette Menschen reden und von ihren sozialen Kämpfen und Konflikten in Berlin, berichten konnten.

Darum ist – dialektisch betrachtet – MBF eine antagonistische Assoziation!

MUSIK BRAUCHT FREIRÄUME

Für mehr freie Menschen in freien Vereinbarungen – bildet kollektive Syndikate

The only good system is a soundsystem

Free music is not a crime

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MBF Kollektiv
11.08.2018
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