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Archiv für Oktober 2018

Demobericht vom 18.10.2018 – Rummelsburger Bucht

Bericht von der Demo gegen den geplanten „Wasserpark“, zur Rettung der Rummelsburger Bucht Berlin Lichtenberg/Friedrichshain/Ostkreuz:

„Demo gegen Ostkreuz-Pläne
Aktionsbündnis kritisiert Wasserpark und andere Vorhaben in der Rummelsburger Bucht

https://media04.berliner-woche.de/article/2018/10/23/1/225431_XL.jpg?1541601136

Mehrere Bezirksverordnete schafften es nicht pünktlich zu ihrer jüngsten Sitzung am 18. Oktober. Grund war eine Demonstration, die den Verkehr in den Straßen rund um die Max-Taut-Aula am Nöldnerplatz für Stunden nahezu lahm legte. […]

Die Veranstalter sprachen von 1.700 Teilnehmern, mehrere Hundert waren es bestimmt, die am Nachmittag des 18. Oktober im Tross vom Markgrafendamm zur Max-Taut-Aula zogen – dem Tagungsort der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in der Fischerstraße.

Zum öffentlichen Protest vor der Sitzung des Bezirksparlaments aufgerufen hatte ein Aktionsbündnis aus Friedrichshainer und Lichtenberger Initiativen. Unter dem Motto „Rummelsburger Bucht für Alle!“ lehnt es die aktuellen Pläne für das Areal am Ostkreuz ab und fordert von der Lichtenberger BVV ein Nein zum entsprechenden Bebauungsplan. Das Bezirksamt Lichtenberg wollte ein positives Votum dazu eigentlich noch in diesem Jahr unter Dach und Fach wissen – immerhin zieht sich das Verfahren seit 26 Jahren hin.
Nur eine Touristenattraktion

Die Kritik während der anschließenden Kundgebung hatte mehrere Adressaten. Sie zielte auf die privaten Investoren ab, auf „arrogante Politiker“ und die „Stadtentwicklung von oben“. Vor allem am Projekt Wasserpark ließen die Gegner kein gutes Haar. Diese neue Touristenattraktion will das Unternehmen Coral World Berlin für rund 40 Millionen Euro zwischen dem Bahnhof Ostkreuz und dem Paul- und Paula-Ufer errichten. Ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit dem Bezirksamt Lichtenberg wurde schon im vergangenen September abgeschlossen. Parklandschaft samt Aquarium und Hotel sollen eine halbe Million Besucher pro Jahr empfangen.

Die Lichtenberger Bündnisgrünen hatten sich schon beim Vertragsabschluss gegen das Coral-World-Projekt ausgesprochen. Sie monierten den Zeitpunkt der Unterzeichnung – lange vor dem BVV-Beschluss zum Bebauungsplan Ostkreuz. Auch die Gesamtkonzeption für das geplante Stadtquartier konnte und kann bei den Grünen nicht punkten. Sie fordern mehr bezahlbare Miet- statt Eigentumswohnungen, den Erhalt der Stadtnatur und Investitionen in Schulen statt in Tourismusangebote.
Der älteste Bebauungsplan

Lichtenbergs Stadträtin für Stadtentwicklung, Birgit Monteiro (SPD), verweist auf die lange Historie des Bebauungsplans: „Es handelt sich hier um unseren ältesten B-Plan, viele Akteure, die unterschiedliche Phasen auf den Weg gebracht haben, sind heute im Ruhestand.“ Der Senat habe daher schon mehrfach umgesteuert und Entwicklungsziele neu angepasst. „Und wenn ein Investor, der vom Land quasi zur Mitwirkung eingeladen wird, die Idee eines Wasserhauses entwickelt, dann finde ich das legitim. Dort werden Arbeitsplätze entstehen, Kooperationen mit kleinen und großen Akteuren der Umweltarbeit sind zugesagt.“

Der Forderung nach mehr Partizipation hält die Stadträtin die Webseite www.bebauungsplan-ostkreuz.de entgegen. Dort sei nicht zuletzt die umfassende Bürgerbeteiligung des Verfahrens dokumentiert. Seit 2005 habe allein das Bezirksamt zu mehr als zwei Dutzend Veranstaltungen rund um das Thema Rummelsburger Bucht geladen.

Die Sorge um ausreichende Schul- und Kitaplätze könne sie nachvollziehen, so Monteiro. „Hier gilt die Zusage des Bezirksamtes, dass wir den B-Plan nicht festsetzen werden, bevor diese Fragen verlässlich geklärt sind.“ So verlange der Bezirk vom Senat einen verbindlichen Termin für den Baustart einer dreizügigen Grundschule in der Hauptstraße 9.
5000 Gegner

Florian Hackenberger, Mitorganisator und Sprecher der Demonstration am 18. Oktober, durfte an diesem Tag als einer der wenigen aus dem Protestzug die Max-Taut-Aula betreten. Er hatte sich für die Einwohnerfragestunde angemeldet und nutzte die Chance, um den Fraktionen eine Petition mit mehr als 5000 Unterschriften zu überreichen. Darin fordern die Initiatoren ein neues Nutzungskonzept für die Rummelsburger Bucht, mehr Partizipation und die Rückabwicklung der Verträge mit den Investoren. Hackenberger kündigte weitere Protestaktionen an, für den Fall, dass die Lichtenberger BVV bei ihrer zustimmenden Haltung zum Bebauungsplan bleibt.“

Quelle: https://www.berliner-woche.de/rummelsburg/c-bauen/aktionsbuendnis-kritisiert-wasserpark-und-andere-vorhaben-in-der-rummelsburger-bucht_a186032

Demobericht vom 18.10.2018 – Rummelsburger Bucht

Bericht von der Demo gegen den geplanten „Wasserpark“, zur Rettung der Rummelsburger Bucht Berlin Lichtenberg/Friedrichshain/Ostkreuz:

„Demo gegen Ostkreuz-Pläne
Aktionsbündnis kritisiert Wasserpark und andere Vorhaben in der Rummelsburger Bucht

https://media04.berliner-woche.de/article/2018/10/23/1/225431_XL.jpg?1541601136

Mehrere Bezirksverordnete schafften es nicht pünktlich zu ihrer jüngsten Sitzung am 18. Oktober. Grund war eine Demonstration, die den Verkehr in den Straßen rund um die Max-Taut-Aula am Nöldnerplatz für Stunden nahezu lahm legte. […]

Die Veranstalter[*innen] sprachen von 1.700 Teilnehmer[*inne]n, […] die am Nachmittag des 18. Oktober im Tross vom Markgrafendamm zur Max-Taut-Aula zogen – dem Tagungsort der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in der Fischerstraße.

Zum öffentlichen Protest vor der Sitzung des Bezirksparlaments aufgerufen hatte ein Aktionsbündnis aus Friedrichshainer und Lichtenberger Initiativen. Unter dem Motto „Rummelsburger Bucht für Alle!“ lehnt es die aktuellen Pläne für das Areal am Ostkreuz ab und fordert von der Lichtenberger BVV ein Nein zum entsprechenden Bebauungsplan. Das Bezirksamt Lichtenberg wollte ein positives Votum dazu eigentlich noch in diesem Jahr unter Dach und Fach wissen – immerhin zieht sich das Verfahren seit 26 Jahren hin.

Nur eine Touristenattraktion

Die Kritik während der anschließenden Kundgebung hatte mehrere Adressat[*inn]en. Sie zielte auf die privaten Investoren ab, auf „arrogante Politiker“ und die „Stadtentwicklung von oben“. Vor allem am Projekt Wasserpark ließen die Gegner[*innen] kein gutes Haar. Diese neue Tourist[*inn]enattraktion will das Unternehmen Coral World Berlin für rund 40 Millionen Euro zwischen dem Bahnhof Ostkreuz und dem Paul- und Paula-Ufer errichten. Ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit dem Bezirksamt Lichtenberg wurde schon im vergangenen September abgeschlossen. Parklandschaft samt Aquarium und Hotel sollen eine halbe Million Besucher[*innen] pro Jahr empfangen.

Die Lichtenberger Bündnisgrünen hatten sich schon beim Vertragsabschluss gegen das Coral-World-Projekt ausgesprochen. Sie monierten den Zeitpunkt der Unterzeichnung – lange vor dem BVV-Beschluss zum Bebauungsplan Ostkreuz. Auch die Gesamtkonzeption für das geplante Stadtquartier konnte und kann bei den Grünen nicht punkten. Sie fordern mehr bezahlbare Miet- statt Eigentumswohnungen, den Erhalt der Stadtnatur und Investitionen in Schulen statt in Tourismusangebote.

[…]

5000 Gegner

Florian Hackenberger, Mitorganisator und Sprecher der Demonstration am 18. Oktober, durfte an diesem Tag als einer der wenigen aus dem Protestzug die Max-Taut-Aula betreten. Er hatte sich für die Einwohner[*innen]fragestunde angemeldet und nutzte die Chance, um den Fraktionen eine Petition mit mehr als 5000 Unterschriften zu überreichen. Darin fordern die Initiator[*inn]en ein neues Nutzungskonzept für die Rummelsburger Bucht, mehr Partizipation und die Rückabwicklung der Verträge mit den Investor[*inn]en. Hackenberger kündigte weitere Protestaktionen an, für den Fall, dass die Lichtenberger BVV bei ihrer zustimmenden Haltung zum Bebauungsplan bleibt.“

Text- & Bild-Quelle: https://www.berliner-woche.de/rummelsburg/c-bauen/aktionsbuendnis-kritisiert-wasserpark-und-andere-vorhaben-in-der-rummelsburger-bucht_a186032
Erschienen in der Berliner Woche (lokale Wochenzeitung).
Autorin: Berit Müller aus Berlin Lichtenberg, Artikel vom 25. Oktober 2018, 12:00 Uhr.

Freetekno gegen Pegida

Siehe: „Video Erstmals mehr Gegendemonstranten am 4. Jahrestag von „Pegida“"
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-462253.html
(Sekunde sieben bis zehn)
Quelle: ARD Tagesschau vom 21.10.2018, 20:13 Uhr

„Sachsen Dresden protestiert gegen vier Jahre „Pegida“
Stand: 21.10.2018 16:57 Uhr“
Siehe: https://www.tagesschau.de/inland/gegendemo-pegida-101.html

Mehr Mucke gegen Neonazis!

Vgl. ähnliches, siehe auch, frühere Aktionen: https://www.sz-online.de/nachrichten/mit-techno-und-rock-gegen-pegida-3717173.html

Rummelsburger Bucht retten

„An: Bezirksverordnete von Lichtenberg

Rummelsburger Bucht retten

Nach 16 Jahren Planungszeit steht der Bebauungsplan XVII-4 „Ostkreuz“ nun zur Abstimmung in der Berliner Bezirksverordnetenversammlung.

Das Ergebnis? Katastrophal!

[…]

Statt günstigem Wohnraum, Gemeinschaftsprojekten, einer Grundschule, inhabergeführten Läden und Stadtnatur sind
ein Aquarium, ein Hotel und Luxuswohnungen geplant.

Angesichts der steigenden Mieten, der schwindenden Berliner Kultur und des fehlenden bezahlbaren Wohnraums sind die Planungen in keinster Weise nachvollziehbar.

Stoppen Sie sofort den Bebauungsplan und nutzen Sie den Raum für Projekte, die unser Berlin wirklich braucht.
Warum ist das wichtig?

Umwelt- und Klimaschutz:
Auf dem Gebiet sind streng geschützte Tierarten heimisch, die durch die Umsetzung der geplanten Bauvorhaben gefährdet sind. Die Fläche hat auch eine wichtige Stadtklimatische Bedeutung. Es gibt zwar Ausgleichsmaßnahme, diese sind zwar rechtlich zulässig, aber sehr weit entfernt und aus Sicht des Naturschutzes fragwürdig.

Hotel, Aquarium, Luxuswohnungen:
Statt den geplanten Projekten werden an diesem Standort dringend günstiger Wohnraum, Platz für inhabergeführte Läden, Kulturangebote und Gemeinschaftsprojekte, sowie Stadtnatur gebraucht.

Grundschul Neubau nicht gesichert
Die Prognose für 2023/24 besagt eine Auslastung der Grundschule zu 70% über Kapazität. Die neuen Bewohner, die durch die Bebauung dazukommen, sind dabei noch nicht valide berücksichtigt. Es gibt nach Jahren der Versuche noch immer keine sichere Planung mit glaubwürdigem Fertigstellungsdatum.

Senat hat mit Verträgen im Eilverfahren der BVV vorgegriffen
Die rot-schwarze Regierung hat die Zustimmung zu den Kaufverträgen für die Grundstücke für Hotel und Aquarium in der letzten Sitzung vor der Wahl am 08.09.2017 in einem Eilverfahren beschlossen. Das gleicht eigentlich einem Skandal, denn damit ist die parlamentarischen Funktion der BVV in diesem Fall ziemlich beschnitten.

Günstige Genossenschafts-Wohnungen auf Erbbauland statt Luxuswohnungen:
Der Berliner Koalitionsvertrag sieht Erbbauverträge für die Vergabe von Landesflächen vor. Das wusste wohl die alte Regierung. Wenn der B-Plan abgelehnt wird, gehen die Flächen zurück an das Land Berlin und der Senat kann den Koalitionsvertrag hier umsetzen.

Wasserpark – Nutzung durch Coral World Touristen:
Die einzige öffentliche Grünfläche auf dem Gelände die genutzt werden darf, wird von Coral World gepflegt. Der Wasserpark, etwa halb so groß ist wie der Boxhagener Platz, wird von geplanten 1.300 Touristen / Tag wohl auch gut genutzt werden, denn es gibt direkte Zugänge von der Terrasse. Der Park ist also definitiv nicht für die Bevölkerung. Im B-Plan wird auch gemogelt: ein Drittel der winzigen ausgewiesenen Grünfläche ist tatsächlich die Terrasse des Aquariums (Café und Biergarten) und eingezäunt.

Kulturelle Angebote und existierenden Wohnraum erhalten:
Die Kulturstätte „Rummels Bucht“, die von den Einwohner sehr gut angenommen wird, muss abgerissen werden, wenn der B-Plan beschlossen wird. Es deutet auch alles darauf hin, dass drei Häuser (günstiger Berliner Altbau), die auch bewohnt sind, abgerissen werden. Eine Resourcenverschwendung die einem stadtbekannten Immobilienhai (Padovic [watch-blog]) zugute kommt.

Entwicklungsmaßnahme aus 1992:
Die dem B-Plan zugrunde liegende Entwicklungsmaßname auf Landesebene stammt aus 1992 und wurde 1994 in eine Verordnung (VO Entwicklungsgebiet 1994) gegossen. Dementsprechend aus der Zeit gefallen ist auch die derzeit vorgesehene Planung. Nach Ablehnung des Bebauungsplans kann der Senat das Entwicklungsgebiet am Ostkreuz aufheben. Danach kann eine zeitgemäße Planung mit erbaulicher Verpachtung der Landesflächen erstellt werden, um günstigen Wohnraum zu schaffen und die derzeitige Nutzung zu erhalten. So wie es eigentlich Strategie des neuen Senats ist.

Weitere Informationen:
Demonstration am 18.10. Event auf Facebook: http://bit.do/bplan-bucht-demo-191018
Forderungen der Initiative: http://bit.do/bplan-bucht-forderungen
Argumentationsleitfaden mit Fakten Links: http://bit.do/bplan-bucht-argumente
Wie die Unterschriften übergeben werden

Persönlich in der Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg“

Siehe, Quelle: https://weact.campact.de/petitions/rummesburger-bucht-retten

Freibeuter*innen ahoi

Wir gratulieren den Freibeuter*innen in der Rummelsburger Bucht zu ihrer erfolgreichen Besetzung und fordern Solidarität mit dem Projekt.

Siehe:

„neues deutschland 16.10.2018:

„Freibeuter“ wurde gekapert

Aktivisten sollen Bebauungsplan weichen. Polizeiliche Räumung von Schiff droht

(https://www.neues-deutschland.de/artikel/1103664.jugendfreizeitschiff-freibeuter-wurde-gekapert.html)

Tagesspiegel 15.10.2018:

Schiff auf Rummelsburger See besetzt

Ein Schiff in der Rummelsburger Bucht geht nach einem Rechtsstreit zurück an den Bezirk. Aktivisten setzen sich für den Erhalt des Kahns ein. Baustadtrat Schmidt will reden.

(https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-rechtsstreit-mit-bezirk-schiff-auf-rummelsburger-see-besetzt/23187642.html)

Berliner Abendblatt 15.10.2018:

Der Freibeuter ist geentert

Besetzer wehren sich gegen die Verschrottung des Hausbootes im Rummelsburger See.

(http://www.abendblatt-berlin.de/2018/10/15/der-freibeuter-ist-geentert/)“

Quelle: http://www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/presse/3480-neues-deutschland-16-10-2018-freibeuter-wurde-gekapert

The Name of the Game

Wir dokumentieren hiermit einen Artikel aus der linken Wochenzeitung Jungle World, vom 04.10.2018:

„Die Ausstellung über die Situationisten und ihre Verbindung zu 1968 im HKW Berlin

The Name of the Game

Zwischen 1957 und 1972 konzipierte die Situationistische Internationale eine »Revolutionäre Front in der Kultur«, dann gab die Gruppe ihre Selbstauflösung bekannt. Von der Spieltheorie lieh sich die Bewegung Elemente einer Kritik am Spektakel der Warengesellschaft. Im Kontext neoliberaler Durchdringung aller Lebensbereiche untersucht die Ausstellung »The Most Dangerous Game«, welche Gültigkeit die Ideen Guy Debords und seiner Mitstreiter heutzutage besitzen.

Von Jakob Hayner

Als die Situationistische Internationale (S.I.) Ende der fünfziger Jahre eingeladen war, an einer Ausstellung in Amsterdam teilzunehmen, stand die Gruppe vor einem Dilemma: Wie konnte eine radikale Gesellschaftskritik im Museum stattfinden, ohne zum reinen und folgenlosen Kunstgenuss zu werden, durch den alle revolutionären Impulse notwendigerweise erstickt würden?

Vorgeschlagen wurden die Errichtung eines Labyrinths, das das Umherschweifen möglich machen sollte, dazu die Ausstellung einiger situationistischer Dokumente und eine Versammlung. Verwirklicht wurde der Plan dann aufgrund einer Auseinandersetzung mit der Museumsleitung doch nicht. Das Problem allerdings stellt sich auch im Jahre 2018: Wie kann die proklamierte radikale Negation aller bürgerlichen Kunstkonventionen und letztlich der Kunst selbst in einer bürgerlichen Institution wie einem Museum präsentiert werden? Im Berliner Haus der Kulturen der Welt haben sich die drei Kuratoren Wolfgang Scheppe, Roberto Ohrt und Eleonora Sovrani dieser Herausforderung gestellt. Das Ergebnis kann in der Ausstellung mit dem Titel »The Most Dangerous Game. Der Weg der Situationistischen Internationalen in den Mai 1968« seit vergangenem Donnerstag begutachtet werden.

Die Bewegung wusste, wie geschickt vor allem der Kunst- und Kulturbetrieb darin ist, noch die schärfste Kritik zum Zwecke einer den kontemplativen Genuss steigernden performativen Widersprüchlichkeit zu integrieren. »Rekuperation« wurde das genannt. Es wäre im Sinne der heutzutage herrschenden Rekuperation ein Leichtes gewesen, die Situationistische Internationale als eine Vorläuferorganisation all der transmedialen und immersiven sozialen Plastiken mit ihren entgrenzenden und subversiven Ästhetiken darzustellen, die inzwischen die Biennalen und Galerien bevölkern. Es wäre ein Leichtes, sie mit modischem Kuratorensprech zu garnieren. Wer würde sich nicht positiv auf die Avantgarden des 20. Jahrhunderts beziehen wollen?

Ihre Vertreter allerdings hatten in der Regel noch eine radikale Idee, warum und wozu der bürgerliche Kunstkanon aufgebrochen werden sollte. Dieser politische Zusammenhang ist gegenwärtig nicht mehr gegeben. Die Entgrenzung und Entkunstung der Kunst ist selbst der Modus geworden, der Konformismus generiert; die Aneignung ungewöhnlicher Mittel dient der Steigerung des Erfolgs auf einem umkämpften Markt. Wer aber von jedem Inhalt abstrahiert und nur auf ästhetische Effekte fokussiert, mag in der Situationistischen Internationale tatsächlich eine Vorform der Gegenwartskunst und in der Emphase für das menschliche Spiel eine Legitimation der heutigen gamification des Alltags erkennen.

»The Most Dangerous Game« erliegt dieser Versuchung nicht. Die Ausstellung ist mit jenem Ernst kuratiert, der seinem Gegenstand gerecht wird. Ihr Titel zitiert nicht nur auf einen Lieblingsfilm,einem US-Horrorstreifen von 1932, des situationistischen Theoretikers Guy Debord, sondern meint auch das gefährlichste Spiel überhaupt: die Revolution. Schon am Eingang der Ausstellung blickt man auf ein Plakat, auf dem verkündet wird: »Tous contre le spectacle« – alle gegen das Spektakel. Fälschlicherweise wird der Begriff des Spektakels oft auf einen Aspekt der modernen Gesellschaft oder eine Technik der Werbung verkürzt; im Sinne der situationistischen Theorie meint er aber die zeitgenössische Erscheinungsform der Totalität des Kapitalismus, die die Produzenten zu Zuschauern des von ihnen geschaffenen Reichtums degradiert. Grob könnte man sagen: Wer von der Abschaffung des Kapitalismus nicht reden will, sollte auch von den Situationisten schweigen.

Die Situationistische Internationale wurde 1957 von Debord, Ralph Rumney und Asger Jorn gegründet, um eine »revolutionäre Front in der Kultur« zu eröffnen. Ein besonderes Anliegen von Debord und Jorn wurde nun erstmals für die Ausstellung realisiert. Es handelt sich dabei um die Situationistische Bibliothek von Silkeborg. In seinem Heimatort hatte Jorn ein Museum gegründet; der damals 28jährige Debord machte Vorschläge für eine dort einzurichtende Bibliothek, die neben den Schriften der Situationisten auch Texte und Manifeste der Futuristen, der Dadaisten, der Surrealisten, der Lettristen, der Gruppe Cobra, des Movimento Arte Nucleare und der Gruppe SPUR enthalten sollte. Verteilt auf 21 Vitrinen liegen Schriften und Flugblätter, von André Breton und Raoul Hausmann über Arthur Cravan und Comte de Lautréamont bis László Moholy-Nagy, Johan Huizinga und Henri Lefebvre.

An dieser Stelle lohnt sich unbedingt der Blick in die knapp über 900seitige, im Verlag Merve erschienene Begleitpublikation, die akribisch auflistet, welchen Beitrag zur Kritik der Gesellschaft und der Kunst die einzelnen hinter Glas ausgestellten Objekte geleistet haben. Neben Erläuterungen zu den über 700 Gegenständen in den Vitrinen und an den Wänden findet sich in dem Band außerdem Bildmaterial auf über 400 Seiten, so dass das Buch die gesamte Ausstellung dokumentiert.

Im Mittelteil der Ausstellung schreitet man durch einen Gang, rechts und links mit Bilderwänden versehen. Auf der einen Seite hängen Abbildungen des Aufstands von 1968, Barrikaden, Steine, Straßenkämpfe, im Hintergrund Graffiti und Parolen der Situationistischen Internationale. Die Fotografien sind zum Teil aus dem Archiv der Polizei und zum Zweck der Strafverfolgung angefertigt worden. Bei anderen handelt es sich um Pressebilder, die auf den Titelblättern die staatsgefährdende Gefahr, die von der Straße ausgeht, illustrieren. Auf der anderen Seite hängen Ausschnitte aus dem 1968 gegründeten Post-Shop-Magazin der Warenhauskette Otto, das speziell »die Jugend« ansprechen sollte. In der Werbung finden sich Zitate aus der revolutionären Ikonographie. Die Jugend erkor auch schon der für die Situationisten wichtige Begründer des Lettrismus, Isidore Isou, zum neuen revolutionären Subjekt; ganz im Sinne der damals populären Randgruppentheorie betrachtete er sie als ökonomisch ausgeschlossen.

Um die Jugend, die Kinder von Marx und Coca-Cola, kämpften 1968 die Revolutionäre und die große Industrie. Ein Kampfbereich war die Befreiung des Sexus. Die Werbung befreite die Sexualität als Mittel, um Waren zu verkaufen. Dem entgegen stand die Entfesselung der Sexualität sowohl aus der traditionellen Sexualmoral als auch ihrer Inanspruchnahme durch den Konsumkapitalismus – Revolution statt Warenform. Dabei versuchte die Bewegung nicht, ein vermeintlich ursprüngliches Bild für eine unschuldige Sexualität zu finden. Isou und auch Raoul Vaneigem, Autor des »Handbuchs der Lebenskunst für die jungen Generationen«, schrieben unter Pseudonymen pornographische Romane, in denen auch Travestie und eine Geschlechtsumwandlung vorkamen. In ihren Schriften scheute sich die Situationistische Internationale auch nicht, Bilder der Werbung für eigene Zwecke zu nutzen.

Hinter einem Aufsteller mit der Warnung »Bereich anti-situationistischer Kunst« verbirgt sich der letzte Teil der Ausstellung. Die Situationisten hatten Anfang der sechziger Jahre alle Künstler aus der Bewegung ausgeschlossen; im Haus der Kulturen der Welt finden sich Werke der Malerei aus den frühen Jahren der Situationisten, darunter erstmals ausgestellte sogenannte Kollektivwerke.

Die Situationistische Internationale forcierte im Laufe ihrer Geschichte immer mehr den Gedanken der Aufhebung der Kunst, als deren erstes Moment die Negation der Kunst begriffen wurde. Als letzte Avantgarde wollte sie das Ende der Kunst herbeiführen, in der Hoffnung, dass dies einen qualitativen Umschlag der Gesellschaft nach sich ziehe. Der Mai 1968 in Frankreich konnte in dieser Hinsicht Hoffnungen wecken. In seinen späten Texten, den »Kommentaren zur Gesellschaft des Spektakels« und »Panegyrikus«, beschreibt Debord, was zu analysieren bleibt, wenn das Spiel zunächst verloren ist und die Hoffnungen enttäuscht wurden. Die Ausstellung »The Most Dangerous Game« ermöglicht eine Annäherung an die Situationistische Internationale und den von ihr verbreiteten revolutionären Geist.

The Most Dangerous Game. Der Weg der Situationistischen Internationale in den Mai 68. Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt, bis 10. Dezember

Wolfgang Scheppe und Roberto Ohrt: The Most Dangerous Game. Band 1 – Dokumente. Merve Verlag, 2018. 908 Seiten, mit Ausstellungsticket 2 Euro.“

Quelle: https://jungle.world/artikel/2018/40/name-game

20.10.2018 @ Kili

saturday
yaya23 records label night

https://facebook.com/events/634854326911430

the event is also soli

location

(view map on osm)

and before, on friday to saturday, is pre listening by livestream session with the artists for the night, originally from the real studio stabil

https://facebook.com/Studio-Stabil-623986444467741/

Red Bull Music Academy in der Kritik

Wir dokumentieren hiermit exemplarisch einen Beitrag von WDR Cosmo, vom 01.10.2018:

„Musikspecial

Red Bull Music Academy in der Kritik

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz vertritt öffentlich rechtspopulistische Positionen. Ein krasser Widerspruch zum exzellenten Ruf der Musikakademie, die Künstler wie Björk, IARAHEI oder Kitschkrieg groß gemacht hat.

Traumfabrik RBMA

Die Red Bull Music Academy (RBMA) hat zu ihrer aktuellen Ausgabe in Berlin erstmals ihre Pforten für Besucher geöffnet zum „Open Funkhaus“-Tag im alten DDR-Funkhaus in Berlin-Köpenik. Man konnte für wenige Stunden in den Alltag der 60 auserwählten Musikertalente reinschnuppern, die an der Academy teilnehmen. In den einzelnen Studios durfte man den Profis bei der Arbeit über die Schulter geblickt. Im Session Room hat Musikproduzent Matias Aguayo seine Avantgarde-Performance „Drums in Space“ präsentiert: „Durch die Zusammenarbeit konnte ich sehr viel auf die Beine stellen. Gerade in Lateinamerika, wo man überhaupt auf keine staatlichen Hilfen zählen kann.“

Viele Musiker, die häufig nur unter prekären Umständen von ihrer Kunst leben können, sind auf Förderungen wie die der Academy angewiesen. Und sie profitieren von den dabei entstandenen Netzwerken. Zu den erfolgreichen Beispielen zählen Flying Lotus aus Los Angeles oder der Lissaboner Produzent Branko, die einst bei der RBMA angefangen haben. Auch Fizzle vom Produzententrio KitschKrieg schätzt die Arbeit der RBMA und insbesondere die Lectures bekannter Musiker. Am Tag der offenen Tür haben KitschKrieg selbst ihre Geschichte erzählen dürfen und Studiokniffe verraten. Fizzle ist Fan des Formats: „Ich habe unzählige davon gesehen auf der Red Bull Homepage. Es ist halt so schön nerdig, dass wenn man Interesse an diesem Gebiet hat, dann kann man da halt was lernen.“

Geld von Mateschitz

Die RBMA wird von der Red Bull GmbH unter Leitung von Dietrich Mateschitz finanziert. Der Red-Bull-Konzernchef und Multimilliardär ist im vergangenen Jahr in einem Interview durch rechtspopulistische Positionen aufgefallen. Auf den ersten Blick treffen hier zwei diametral entgegengesetzte Welten aufeinander: Die Academy ist liberal, weltoffen, futuristisch. Geldgeber Mateschitz hingegen kritisiert die „sogenannte intellektuelle Elite“ und das „Meinungsdiktat des politisch Korrekten“. Gründer und Leiter der RBMA, Many Ameri, sieht das jedoch nicht als Widerspruch: „Die Art, wie wir das über diese zwanzig Jahre hinweg aufgebaut haben, ist möglich gewesen durch die Struktur, die dahinter steht und die Menschen, die dahinter stehen. Ich kann nicht im Namen des Eigentümers der Firma sprechen. Das Allerwichtigste in der Zeit, in der wir leben, sind Taten.“ Eine Einmischung seitens des Chefs von Red Bull habe es nie gegeben, so Many Ameri.

Das große Schweigen

Zu den wenigen Kunst- und Kulturschaffenden, die sich klar gegen die Verquickung von RBMA und Mateschitz positionieren, zählt Sonja Eismann vom Missy Magazine. Als sie kürzlich gebeten wurde, einen Text für die Musikplattform zu veröffentlichen, sagte sie ab: „Der Chef ist immer wieder durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallen. Er hat sich negativ über Geflüchtete geäußert. Er hat bei seinem Fernsehsender Servus TV so einen Rechten Identitären wie Martin Sellner hoffähig gemacht. Das sind eben alles Sachen, mit denen ich nichts zu tun haben will.“ Und Hannes Teichmann vom Techno-Duo Gebrüder Teichmann kritisiert das allgemeine Schweigen: „Wir als Szene reflektieren nicht und reden auch nicht wirklich drüber. Ein kritisches Statement zu geben und trotzdem mitzumachen, fände ich besser als diese Stille.“

Einfluss oder Boykott

Die Stille hat ihre Gründe. Die Teilnehmer der RBMA unterschreiben keine Knebelverträge, binden sich nicht an die Marke und können frei über die produzierte Musik verfügen. So attestiert Lutz Leisering vom Interessenverband der Berliner Clubbetreiber Clubcommission der RMBA insgesamt ein faires Konzept: „Mir sind Marken lieber, die sich inhaltlich einbringen und die verstehen was man macht, und das supporten.“ Für Matias Aguayo bringt Mitmachen mehr als Boykott. „Wie kann ich mit Musik etwas verändern, Leute beeinflussen, mit ihnen zusammenarbeiten und einen Unterschied machen.“

Die Musiker machen sich also durchaus ihre Gedanken und jeder versucht für sich eine Lösung zu finden. Doch genau hier ist das Problem. Die RBMA müsste das Thema Mateschitz offen diskutieren und sich nicht länger in einen Mantel des Schweigens hüllen. Auf der anderen Seite müsste mehr getan werden, um das Abhängigkeitsverhältnis zur RBMA aufzulösen, indem staatliche Mittel zur Förderung von Musiktalenten deutlich erhöht werden.

Stand: 01.10.2018, 13:00″

Quelle: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/musik/musikspecials/red-bull-music-academy-100.html

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/audio-die-red-bull-academy-zwischen-lob-und-kritik-100.html

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Mehr:
„Missy-Redakteurin: Künstler kuschen vor Red Bull“
Siehe: https://www1.wdr.de/radio/cosmo/musik/musikspecials/red-bull-music-academy-kommentar-eismann-100.html