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Archiv für Juli 2020

Zeiten des Dunkels in der Kultur

In Zeiten der Corona-Pandemie (unter COVID19) – und des dunklen Dünkels in der Kulturlandschaft – machen wir hiermit auf einen interessanten Beitrag aus dem Audioarchiv aufmerksam. Siehe: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/

„[…] hier die Aufnahmen des fünften Teils der Weimarer Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution, der bereits vor einiger Zeit (2013/14) in der ACC Galerie Weimar stattgefunden hat. Das Thema dieser Veranstaltungsreihe – Dunkelheit und Schwarz in der Kultur – findet sich auch in der jüngst erschienenen KSR-Publikation wieder […]. Zwei Beiträge zur aktuellen Publikation seien der Dokumentation der Reihe vorangestellt:

In einer Audio-Collage gibt es einen hörbaren Einblick in das aktuelle Heft – vertont sind die Einleitung zum Themenschwerpunkt und Auszüge aus dem Text „Lautréamont und kein Ende“ von Julien Graque. Die Collage enthält Samples aus dem Film „Bambule“ von Ulrike Meinhoff und dem Film „if …“ von Lindsay Anderson. […]“

Link: https://www.freie-radios.net/mp3/20200406-dunkelheitun-101359.mp3

Quelle: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/
Abgerufen am 6.7.20.

Mehr, siehe auch: http://audioarchiv.blogsport.de/2020/04/13/dunkelheit-und-schwarz-in-der-kultur/#more-911

Vgl. auch:
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/12/10/das-leben-aendern-die-welt-veraendern/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/10/27/talkin-bout-a-revolution-5/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/04/14/talkin-bout-a-revolution-2/
- http://audioarchiv.blogsport.de/2019/02/10/talkin-bout-a-revolution-1/
- „Missverständnisse über Kulturindustrie“ – http://audioarchiv.k23.in/Referate/Kunst_Spektakel_Revolution/KSR-5-Heftvorstellungen/Jakob_Hayner_Missverstaendnisse_Kulturindustrie__Interview.MP3
- „Der Widerspruch der Kunst“ – http://audioarchiv.blogsport.de/2015/11/01/der-widerspruch-der-kunst/

Ständige Empfehlung: http://audioarchiv.blogsport.de

News aus Berlin: „Demo statt Rave“, „Grünanlagen als Kulturflächen“

Zitiert, aus dem berliner Tagesspiegel online vom 3.7.20:

„Demo statt Rave
Berlin tanzt wieder – immer öfter auch nach Corona-Regeln

Viele sehnen sich nach Elektrobeats und schöpfen legale Möglichkeiten aus. Sind Dance-Demos politisches Statement oder Mittel zum Zweck?
Von Anna Thewalt

Der Sound, der hinter den Bäumen im Treptower Park nahe der S-Bahnstation erklingt, ist altvertraut und doch neu. Obwohl er zu den Grundgeräuschen Berlins gehört, ertönte er in den letzten Monaten nur sehr selten – es ist ein Sound, der aus Beats, Bass und Elektrovibes besteht. Party und Tanz trotz Corona?

Tatsächlich sammeln sich an diesem frühen Donnerstagabend immer mehr Menschen vor zwei großen Lautsprechern und einem DJ-Pult – und das ganz legal. Ein Organisationsteam […] hat zur „Ecstatic Dance Demo“ eingeladen.

Rund 700 Teilnehmende verschlägt die Tanzlust an diesem Abend hierher. „Für die Akzeptanz von Musik und Tanzen als demokratische Willensbildung“, steht auf dem Flyer, der an Interessierte verteilt wird. Es ist nicht die erste Demonstration dieser Art. In den vergangenen Wochen habe es mehr Versammlungen mit musikalischen Beiträgen gegeben als üblich, sagt ein Polizeisprecher.

Es werde aber im Vorfeld geprüft, welche Abläufe und ob sachbezogene Beiträge geplant seien. Heftige Kritik und Zweifel an der Sachbezogenheit hatte es bei der Bootsdemo gegeben, die vor einigen Wochen am Landwehrkanal stattfand und die in eine große Party umgeschlagen war.

Erst Redebeitrag, dann wilde Bewegung

Auch im Treptower Park sieht das Setting mehr nach Rave als nach Demo aus. Allerdings: Die Menschen aller Altersgruppen halten weitestgehend Abstand zueinander. Am Anfang gibt es einen Redebeitrag zu freiem Tanz als politische Handlung.

Danach wird die Musik laut und alle tanzen wild. Darunter Olivia, die erklärt, warum sie gekommen ist: „Ich vermisse das Tanzen so sehr.“ Dass das Ganze eine Demo ist, findet sie nicht so wichtig – stattdessen wünscht sie sich Möglichkeiten, dass Tanzveranstaltungen auch einfach so legal unter freiem Himmel in Berlin stattfinden können.

[Der Anmelder möchte seine] Veranstaltung aber explizit als politisches Statement verstanden haben. Am Anfang sei das Versammlungsrecht vielleicht Mittel zum Zweck gewesen, betont er. Es gehe jedoch nicht nur um die Lust am Tanzen, sondern ein „friedfertiges Miteinander“ in diesen schwierigen Zeiten, formuliert er recht allgemein.

Dann gibt er aber auch zu, dass die Versammlungsbehörde schlicht schneller reagiere als die Bezirksämter, wenn man mit ihnen über Pläne für Tanzmöglichkeiten anderer Art sprechen wolle. Zwar sei es gut, dass der Kultursenator und drei Bezirksbürgermeister die Aktion „Draußen spielt die Musik!“ für Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel ins Leben gerufen hätten, die Mühlen mahlten allerdings sehr langsam.

Zwischen Wunsch und Bürokratie – und manchmal Illegalität

Dabei scheint der Wunsch nach Bewegung unter den tanzwütigen Berlinern groß zu sein: In der Hasenheide finden etwa seit Anfang März illegale Partys statt. Auch ein Besucher der Demo am Donnerstag gibt zu, dass er illegale Partys organisiert – auf weitere Fragen möchte er aber nicht antworten.

Legale Möglichkeiten haben die Veranstalter[*innen] gefunden, die am Wochenende das genehmigte H13-Musikfestival in Spandau organisieren, das bereits ausverkauft ist. Weitere Festivals sind für den Sommer in Brandenburg geplant.

Und Nick Alder, Teil des Organisationsteams der Demo im Treptower Park, hat sich sogar mit dem Bezirksamt Treptow-Köpenick verständigen können: Dieses hat eine Veranstaltung genehmigt, die am Sonntag unter dem Motto „Breathe and Dance“ stattfinden soll. Dabei gehe es darum, Kraft aufzutanken, sagt Alder. Doch für die Genehmigung habe er sich durch die Behördengänge kämpfen müssen.

Bei der Ecstatic Dance Demo müssen die Polizisten noch häufiger auf die 1,5 Meter-Regel hinweisen, doch die meisten halten sich daran und genießen den Tanz mit Abstand.“

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/demo-statt-rave-berlin-tanzt-wieder-immer-oefter-auch-nach-corona-regeln/25974310.html
Abgerufen am 4.7.20.

Wir begrüßen diese Praxis prinzipiell sehr. ;) :) Für das Recht auf Stadt. Nehmt Euch die Stadt. Wessen Park, unser Park, unser aller Park, Treptower for all.

+++

Zitat, berliner Tagesspiegel online, vom 24.6.20:

„Grünanlagen als Kulturflächen
Werden Raves in Berliner Parks bald legal?

Illegale Park-Partys sorgen für Aufregung bei Politik und Polizei. Doch die Szene fordert eine Legalisierung – und verweist auf den Koalitionsvertrag.
Von Felix Hackenbruch

Bässe wummern, bunte Scheinwerfer flackern, ein DJ steht unter einem Pavillon an einer Anlage, Leute tanzen eng an eng. Kein Abstand, keine Masken. Einfach nur Party – mitten in der Pandemie.

Es sind Bilder, die der RBB am Wochenende veröffentlichte, die rund 500 Menschen trotz Regens in der Hasenheide beim Feiern zeigen. Seit März gehe das so, heißt es in dem Beitrag, der für großes Aufsehen sorgte.

„Es war sehr entspannt. Die Leute dürsteten nach Bass und haben eng um die kleine Anlage getanzt“, sagt Ben, der den Rave eine Woche vorher besucht hat und eigentlich anders heißt. Er habe schon seit Wochen von den Veranstaltungen in der Hasenheide gehört, die anfangs aus einer schwulen Szene heraus entstanden seien.

Nach und nach sei der Rave gewachsen, viel Berghain-Klientel und auch Jüngere kamen, vor zwei Wochen seien es zwischen 600 und 700 Feiernde gewesen. „Auch die Polizei war da, hat sich aber deeskalierend verhalten“, sagt Ben.

Auch bei der viel kritisierten Bootsdemo am Landwehrkanal vor einigen Wochen hat er teilgenommen. Die Empörung darüber kann er nicht nachvollziehen. „Ich finde es überzogen, wenn man das als verantwortungslos bezeichnet.“ Abstände seien zwar nicht konsequent eingehalten worden, doch die Teilnehmer würden sich großteils sowieso kennen und die Infektionszahlen seien infolge der Veranstaltungen nicht gestiegen.

„In Bahn und Büros ist es viel gefährlicher“, sagt Ben. Er fordert mehr Augenmaß, die Isolierung von Menschen habe psychische Folgen, die teils gravierender sein könnten als eine Infektion.

In der Politik sehen das viele anders. „Egoismus pur“, schimpfte der Bezirksbürgermeister von Neukölln, […] auf F[…]book.

Der Regierende [Bürgermeister von Berlin] sagte in einer TV-Ansprache am Montagabend: „Es ist nach wie vor nicht die Zeit für sorgloses Feiern in großen Gruppen.“

Polizei hat strengere Kontrollen angekündigt

Noch deutlicher wurde [der] Innensenator [von Berlin] am Dienstag: „Das ist ein höchst unsoziales Verhalten“, sagte er dem Radiosender RBB 88,8 und kritisierte Übergriffe von Feiernden gegen die Polizei.

Bei den aggressiven Partymachern handele es sich vor allem um „testosterongesteuerte junge Männer, die sich versammeln und glauben, Regeln gelten nicht für sie und sie müssten keine Rücksicht auf andere Menschen nehmen“, [sagte er]. Die Polizei hat strengere Kontrollen angekündigt.

Doch es gibt auch andere Stimmen: „Es ist absolut irrational zu glauben, dass sich durch Appelle alter Politiker junge Menschen zu Hause einschließen“, sagt [ein] clubpolitischer Sprecher […]. In den Ferien und bei den sommerlichen Temperaturen sei mit weiteren Partys zu rechnen. Statt die Feierszene zu verdrängen, will er sie aus der Illegalität bringen. Er fordert Open-Air-Partys unter Auflagen, wie Lärm-, Müll- und Infektionsschutz. „Wir sollten gesetzlich erlauben, dass Grünanlagen auch zu Kulturflächen werden könnten“, sagte [er].

Mit dieser Idee beschäftigt sich die Berliner Politik nicht erst seit der Corona-Pandemie. Im […] Koalitionsvertrag von 2016 heißt es auf Seite 123: „Die Koalition strebt die Entwicklung von Orten im öffentlichen Raum an, die unbürokratisch für nicht kommerzielle Musik und Partyveranstaltungen unter freiem Himmel genutzt werden können.“

In ein Gesetz gegossen hat die Koalition diese Passage bislang jedoch nicht, durch Corona wird die Idee aber wieder diskutiert.

Vor zwei Wochen kündigten zudem die […] Bezirksbürgermeister von Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg an, Frei- und Grünflächen, Straßen, Plätze und auch Sportplätze für Kulturveranstaltungen zu öffnen. Unterstützt wurden sie dabei vo[m] Kultursenator [von Berlin].

„Das Interesse daran ist bislang überschaubar“, sagt [der] Bezirksbürgermeister in Lichtenberg. Zieht das Partyvolk also bald in die Falkenberger Rieselfelder, die Malchower Aue oder den Stadtpark Lichtenberg? „Für Raves war das eher nicht gedacht“, sagt [er]. Vielmehr ginge es um Künstler, die keine Bühne mehr hätten. Das Theater an der Parkaue nutze das Angebot beispielsweise bereits.

Bootsdemo hat bei Behörden Vertrauen zerstört

Und Partys? „In den Grünflächenämtern gibt es Vorbehalte gegenüber Raves“, sagt [er]. Illegale Veranstaltungen und die Bootsdemo hätten die Szene stigmatisiert. „Wir bräuchten gute Beispiele“, sagt der Bezirksbürgermeister. Für Gespräche mit der Clubcommision stehe er aber, wie schon in der Vergangenheit, bereit.

Dort beschäftigt sich Ilya Minaev bereits seit Jahren mit dem Thema freier Open-Air-Veranstaltungen. Im vergangenen Jahr hat die Clubcommission dazu ein Pilotprojekt auf einer Industriebrache im Spandauer Ortsteil Haselhorst gestartet. An 40 Abenden und Nächten sei dort 2019 legal gefeiert worden – ohne Beschwerden, ohne Probleme. In diesem Jahr habe man das Projekt auf den Spreepark in Treptow ausweiten wollen, die Behörden hatten bereits grünes Licht erteilt, doch dann kam Corona.

Nun hofft Minaev, dass der Feierszene bald neue Flächen zur Verfügung gestellt werden. „Wir wollen die Leute in die Legalität bewegen“, sagt er.

Auch er plädiert dafür, Veranstaltungen mit DJs, verstärkter, elektronischer Musik und gegebenenfalls auch Lichtshows unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Bislang habe es nur in Pankow Gespräche gegeben, dort kommen Grünflächen wegen ihres desolaten Zustands jedoch nicht in Frage. Stattdessen seien Plätze oder Brachen denkbar.

Intern hat man für legale Raves bereits Listen erstellt, die die soziale und ökologische Nachhaltigkeit garantieren sollen. Diese wurden nun um Empfehlungen zum Infektionsschutz erweitert.

Die Veranstalter sollen die Kontaktdaten aufnehmen, an Getränkeständen sollen Plexiglasscheiben angebracht, auf Abstand soll geachtet werden. „Wir wollen ein Zeichen setzen, das diese Kultur auch verantwortungsvoll sein kann“, sagt Minaev. „Aber dafür brauchen wir auch einen rechtlichen Raum.““

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/gruenanlagen-als-kulturflaechen-werden-raves-in-berliner-parks-bald-legal/25943478.html
Abgerufen am 25.6.20.

Hm. Was ist „legal“? Wir sind uns noch nicht so sicher ob das alles so gute Ideen sind und ob das mit den Daten so in Ordnung ist. Dazu gibt es bei uns zumindest sehr sehr viele, sehr verschiedene Meinungen und Ansichten, die z.T. weit auseinander gehen. Aber das ist halt „Demokratie“. Also, bleiben wir gespannt und organisieren solange etwas anderes, etwas wichtiges, nämlich gezielte Solidarität.

Viel Spaß. Passt auf Euch auf. Bleibt stabil.